2 Einträge
7 Bewertungen
84.3% Bewertung
  • Bewertung

    die lieben Nachbarn

    ich fand den Film eine wunderbare studie zur heterogenität von kleinen wohnvierteln - auf der einen seite das unterschwellige und manchmal bösartig hervortretende konfliktpotenial und auf der anderen seite die vorsichtigen und naiven aktionen, konsens und respektvollen umgang miteinander suchend - so werden die lebensgeschichten von einigen nach und nach klarer und erklären die hintergründe ihres verhaltens, so auch den einen oder anderen grenzfall zwischenmenschlicher kommunikation.
    03.07.2017
    20:19 Uhr
  • Bewertung

    Bitterböser Humor made in Sweden

    Exklusiv für Uncut
    Der schwedische Autor Fredrik Bachman konnte mit seinem tragikomischen Buch „Ein Mann namens Ove“ (2014) auch im deutschsprachigen Raum großen Erfolg erlangen. Nun wagte sich Regisseur Hannes Holm (Familienchaos) daran das Buch filmisch zu adaptieren und schaffte es in Heimatland Schweden gar mehr Besucher in die Kinos zu locken als „Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht“. An den Kinokassen war der Film also bereits ein Hit. Jedoch weiß die Literaturverfilmung auch qualitativ zu überzeugen und dabei auch Personen, die das Buch nicht gelesen haben (wie mich) abzuholen? Meine Antwort darauf lautet: Ja und nein. Auf der positiven Seite wäre besonders der Großteil der schauspielerischen Leistungen zu erwähnen. Insbesondere gebührt Hauptdarsteller Ralf Lassgård (bekannt als Kurt Wallander in den Verfilmungen der bekannten Romanreihe von Henning Mankell) großes Lob, denn er schaffte es nicht nur das grantige Wesen des verbitterten alten Mannes Ove gekonnt zu porträtieren, sondern verlieh seinem Charakter in einigen Momenten in nuancierter Perfektion gar Tiefe. Des Weiteren leistete Filip Berg eine großartige Arbeit als der in Rückblenden zu sehende junge Ove und kreierte dabei ein mitreißendes Portrait eines exzentrischen und in manchen Momenten gar autistisch anmutenden jungen Mannes, der im Laufe seines bisherigen Lebens schon viel an Leid einstecken musste. Auch überzeugen konnte Ida Engvoll, die in den Rückblenden Oves ehemalige Frau Sonja porträtierte und durch ihr sympathisches Spiel punkten konnte. Einzig Bahar Pars als Nachbarin Parvaneh fand ich in einigen Sequenzen ein wenig schwach. Zwar gelang es auch ihr der Figur viel Sympathie zu verleihen, jedoch hatte ich ein Problem mit einer bestimmten Plansequenz im Film, in der Ove und Parvaneh durch die Nachbarschaft spazieren. Dabei fällt dem Zuschauer auf, dass die Darstellerin offensichtlich nicht durchwegs konzentriert spielte.
    Der schwarze Humor des Films konnte mich auch meist abholen, wobei es sicher auch Personen gibt, denen der eine oder andere Gag zu grenzwertig ist. Das größte Problem, welches ich mit dem Film hatte war der emotionale Kern. Zwar gab es auch hin und wieder emotional gut funktionierende Szenen, wie exemplarisch Oves bisheriges Leid, das der Zuschauer durch die Rückblenden erfährt und den Suizidversuchen noch mehr Tiefe verleiht, jedoch driftete der Film des Öfteren zu stark in kitschige Gefilde ab. Zwar wirkt die Beziehung zwischen Ove und sowohl Sonja als auch Parvaneh zunächst noch glaubhaft und natürlich porträtiert, später im Film jedoch gekünstelt und versuchte zu zwanghaft auf die Tränendrüse der Zuschauer zu drücken. Zudem fühlte ich mich in den Rückblenden nicht in die 70er bzw. 80er-Jahre zurückverfrachtet, da das Produktionsdesign zu modern wirkte.

    Insgesamt lässt trotz des unausgegorenen emotionalen Kerns sagen, dass Regisseur Hannes Holm eine unterhaltsame Tragikomödie mit größtenteils brillanten Schauspielern gelungen ist.
    chrostv_39178447dd.jpg
    09.04.2016
    23:14 Uhr