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    „This is not a job, this is a fucking joke!“

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Krieg. Terror. Korruption. Tag ein, Tag aus werden wir durch vielerlei Medien mit diesen Begriffen konfrontiert. Wie geht es aber dabei privat jenen Journalisten, deren Beruf es ist, tagtäglich im Nahen Osten oder anderen Gebieten unterwegs zu sein, um uns von den dort alltäglichen Katastrophen zu berichten? Diese Frage versucht Regisseurin Barbara Eder mit dem durch drei lose miteinander verbundenen Episoden erzählten Thriller „Thank You For Bombing“ zu beantworten und schafft dies zum größten Teil mit Bravour. Das erste Kapitel des Films handelt von Ewald (Erwin Steinhauer), einem Kriegsreporter, der ehemals als Auslandkorrespondent in Afghanistan tätig war. Da Afghanistans Hauptstadt Kabul kurz vor dem Ausbruch eines Krieges stehen soll und Ewald als Experte für jene Region gilt, entschließt sich der ORF dazu, ihn wieder hinzuschicken. Als er am Flughafen Wien-Schwechat einen Mann telefonieren sieht, kommen in ihm viele Erinnerungen hoch und er ist sich sofort sicher, dass es sich dabei um jenen Kriegsverbrecher handelt, der für den Tod eines ehemaligen Kollegen verantwortlich war. Mit allen Mitteln versucht Ewald zu beweisen, um wen es sich bei diesen Mann handelt, jedoch das Problem ist: Keiner glaubt ihm.

    Durch vielerlei inszenatorischer Mittel, wie einem atmosphärischen Sounddesign, gelingt es Eder Spannung zu erzeugen und schafft es, dass wir stets mit dem Protagonisten mitfiebern. Dafür mitverantwortlich ist jedoch auch Darsteller Erwin Steinhauer, der für seine Performance mittlerweile, meiner Meinung nach völlig zurecht, mit dem Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet wurde. Ihm gelingt es durch sein Spiel ein nachvollziehbares Portrait eines Journalisten zu kreieren, der dazu bereit ist, jedes Risiko einzugehen, um zu beweisen, dass er Recht hat.

    Die Riskobereitschaft gewisser Journalisten dient auch als wichtiges Thema in der zweiten Episode des Films. Jene spielt direkt in Kabul und erzählt uns von der US-amerikanischen Fernsehreporterin Lana, deren Traum es ist, eines Tages als erfolgreiche Journalistin zu gelten. In diversen Medien ist die Behauptung entstanden, dass US-Soldaten angeblich dabei gesehen wurden, als sie Korane verbrennten. Als sie durch eine verdächtige Karikatur auf die Namen beiden Namen Fitz und Bergmann stößt, ist sie sich sicher, dass es sich hierbei um die zwei Verantwortlichen für die mutmaßlichen Koran-Verbrennungen handeln muss und versucht diese ausfindig zu machen. Der Schauspielerin Manon Kahle gelingt es dabei eindrucksvoll das Bild einer emanzipierten Frau zu erschaffen, die in einem an Frauenrechten stark mangelnden Staat, dennoch versucht ihren starken Willen beizubehalten. Insbesondere am dramaturgischen Höhepunkt der zweiten Geschichte wird dem Zuschauer verdeutlicht, wie weit manch Journalist gehen würde, nur um eine bestimmte Story zu publizieren. Dabei gibt es auch ein paar humoristische satirische Momente, wobei einem besonders die Szene im Kopf hängen bleibt, in der wir einen Haufen Reporter sehen, die über ein Britney Spears-Konzert berichten. Mit jener absichtlich überspitzt dargestellten Szene will Regisseurin Eder vermutlich zeigen, wie sich oft haufenweise Journalisten auf dasselbe Thema konzentrieren, handle es sich noch um den größten „Bullshit“. Obwohl es der Filmemacherin bravourös gelungen ist, das Portrait einer starken modernen Frau zu schaffen, wirkt es, als hätte sie die männlichen Charaktere im zweiten Kapitel, ein wenig vernachlässigt. Einige Charaktere, besonders jene, die der US-Army angehören, wirken leider sehr klischeehaft und einseitig geschrieben, was das Seherlebnis der zweiten Episode leicht mindert.

    Das letzte Kapitel des Films spielt erneut in Kabul und handelt von Cal, einem Auslandskorrespondenten eines US-Redaktionsteams, das dort hingeschickt wurde, da bald neue Unruhen ausbrechen soll. Da der erwartete Krieg jedoch nicht beginnen will, entschließt sich der jähzornige Cal bei diesem Witz (Zitat: „This is not a job, this is a fucking joke!”) nicht mehr mitzumachen und bricht alleine auf, um das Herz des Terrors zu finden. Was für Risikos er dafür eingeht und der psychische Druck, der dabei auf ihm lastet, wird vom deutschen Darsteller Raphael von Bargen beeindruckend dargestellt. Besonders aber auch ästhetisch schafft es die letzte Episode des Films zu überzeugen. Die extremen Totalen der Landschaften Afghanistans erinnerten mich stark an den letztjährigen Drogenthriller „Sicario“ von Denis Villeneuve. Trotz der unterschiedlichen Thematik beider Filme, verwendete Eder ähnliche Einstellungen, um genauso wie Villeneuve, zu visualisieren, wie für manch Person der tägliche Arbeitsplatz aussieht. Das ganze Produktionsdesign wirkt vor allem so authentisch, da Eder sich dazu entschloss den Großteil des Films (ein Teil wurde auch in Jordaniens Hauptstadt Amman gedreht) wirklich direkt in Kabul zu filmen.

    Eindrücklich war vor allem eine Einstellung gegen Ende des Films, in welcher einem das Bild einer von Krieg geprägte Gesellschaft gezeigt wird und einem klar wird, dass man das Glück in Europa geboren zu sein, schätzen sollte.

    Schade fand ich lediglich, dass die Überleitung zur ersten Geschichte zu forciert und willkürlich wirkte.
    Trotz teilweise klischeehaften Charakterzeichnungen und anderen kleinen Unzulänglichkeiten ist Regisseurin Barbara Eder mit ihrem/r Kriegsthriller/Mediensatire „Thank You For Bombing“ ein toller Film über die Probleme gelungen, mit denen Journalisten in Krisengebieten alltäglich kämpfen müssen.
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    16.03.2016
    23:07 Uhr