Der kleine Prinz

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Forumseintrag zu „Der kleine Prinz“ von Andretoteles

  • Sternenstaub und Stundenplan

    Lasst euch nicht vom generischen Poster abschrecken: Der kleine Prinz (2015) von Mark Osborne ist ein sehenswertes, zartes Animationsjuwel, das Antoine de Saint-Exupérys Weltklassiker behutsam weiterdenkt. Statt wiedergebender Illustration herzhafte gesellschaftskritische Gegenwartsbezüge. Zwischen der Geschichte eines Mädchens, das sich gegen die Korridore neoliberaler Selbstoptimierung wehrt, und jener des Prinzen entsteht ein Film über das Erwachsenwerden – und darüber, was dabei verloren gehen kann. Osborne und die Drehbuchautoren Irena Brignull und Bob Persichetti verbinden unterschiedliche Animationsformen zu einer bemerkenswerten Einheit.

    Die mannigfaltige Animationsvarianz ist ein ästhetischer Hingucker: Stop-Motion-Tricks und digitaler Animationsstil verschlingen sich zu einer eigenen, poetischen Berührung, die dem bekannten Weltstoff eine neue Dimension gibt. Zum Generationenkonflikt zwischen erwachsener Farblosigkeit und kindlicher Fantasiepalette gesellt sich der gierige Planungswahn kompetitiver Entwürfe: Das Leben des namenlosen Kleinen Mädchens ist minutiös durchgetaktet, optimiert und seiner Überraschungen beraubt. Gerade heute, in Zeiten des FTZWS – flood the zone with shit – wirkt die kindliche Brille beinahe widerständig: Sie erinnert daran, dass das Wesentliche nicht in der Fülle der Reize, sondern nur mit dem Herzen zu sehen ist. Hans Zimmer und Richard Harvey verleihen dieser Reise zudem eine Klangwelt, die Märchen und Melancholie gleichsam vertont.

    Ob der Film die poetische Wucht und Vorstellungskraft des Buches erreicht, muss das Publikum selbst entscheiden – und vielleicht ist genau das angemessen, denn Der kleine Prinz handelt schließlich davon, dem Eigenen wieder Raum zu geben. Nicht jede Idee Saint-Exupérys lässt sich verlustfrei ins Kino retten, doch Osborne gelingt etwas anderes: Er macht aus einem alten Gedanken einen gegenwärtigen Film. Einen über Zeit, Prioritäten und die zeitlose Frage, was in unserem Leben eigentlich wichtig ist.
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    17.08.2026
    13:30 Uhr

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