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Big Eyes

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Forumseintrag zu „Big Eyes“ von r2pi

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r2pi (24.04.2015 21:28) Bewertung
big heart
mit ed wood hat tim burton bereits einem künstlerischen kuriosum damals noch aus dem filmgeschäft seine reverenz erwiesen, in big eyes widmet er sich der malerin margaret keane. wer die frühen 1970er miterlebt hat, kennt auch ihre bilder straßenkinder mit riesigen augen, an denen man einfach nicht vorbei kommen konnte: in jedem postergeschäft, mit kreide auf den gehsteig gezeichnet oder als billige reproduktionen von straßenkünstlern feil geboten. ich wollte damals schon nicht glauben, dass ein mann der urheber dieser romantisch-kitschigen geschmacksverirrung sein sollte. wie wir inzwischen wissen, war dem auch nicht so:

mit viel herz und großem einfühlungsvermögen zeichnet tim burton die stationen von keanes selbstauslöschung, ihres zögerlichen widerstands und des endlich errungenen triumphs nach, ausgehend vom pastelligen san francisco der 1950er jahre margaret (amy adams) entflieht mit ihrer kleinen tochter im schlepptau einer erstickenden ehe, das vorstellungsgespräch in der möbelfirma, für die sie später die gitterbetten mit vorgegebenen kindermotiven bemalen wird, verdeutlicht die situation aufmüpfiger frauen in einer zeit, die “gut für die männerwelt“ war: “...und ihr ehemann ist damit einverstanden, dass sie arbeiten...?“

bald lernt sie den wortgewaltigen walter keane (christoph waltz) kennen beide versuchen sich als straßenmaler, beide versuchen sie ihre werke an den mann zu bringen. walter die seinen um 35 dollar, sie verlangt einen einzigen: “du verkaufst dich unter wert“, schilt er sie, nimmt sie unter seine fittiche und bald sie und ihre (zugegeben von der kritik gnadenlos verrissenen, aber immerhin originellen) werke unter beschlag. der kommerzielle erfolg ihrer bilder lässt ihn als vermeintlichen urheber im rampenlicht erstrahlen, und die selbstauslöschung der künstlerin inzwischen mrs keane umso perfekter erscheinen. nach gescheiterter ehe soll ein aufsehen erregender prozess um die urheberschaft dem ein ende setzen. eine g'mahte wies'n für die arme frau, meinen wir, doch bald bleibt uns vor soviel chuzpe ihres ex-gatten der mund offen stehen...

fazit: handwerklich solide und ästhetisch ansprechend erzählt tim burton die geschichte einer frau im kampf um die wahrnehmung ihrer eigenen persönlichkeit als künstlerin ohne feministischen oder kulturkritischen radau (die geschichte spricht ohnedies für sich selber). was den film aber über ein übliches biopic hinaus sehenswert macht, ist burtons sympathie für margaret keane und ihre hingabe an ihr werk wie bei ed wood ist diese sympathie in jeder einstellung spürbar und macht big eyes zu einem seiner persönlichsten und warmherzigsten filme. kann man sich ansehen auch (oder gerade wenn) man den bildern mit den großen augen nichts abgewinnen kann.
 
 

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