La Grande Bellezza
| Bewertung durch newhorizon | 40% |
| Durchschnittliche Bewertung | 64% |
| Anzahl der Bewertungen | 9 |
Forumseintrag zu „La Grande Bellezza“ von newhorizon
Auszug aus dem Forum des Films „La Grande Bellezza“:
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Late-Life-Crisis eines einstigen Partylöwen
Dieser Film scheint hier ja ziemlich zu polarisieren. Ich bin auch hin- und hergerissen, denn einerseits gefallen mir die ästhetischen Bilder von Rom und ich kann auch manchen Dialogen durchaus etwas abgewinnen. Es gibt aber keine übergeordnete Geschichte mit Spannungsbogen und einem aussagekräftigen Schlussteil. Viel mehr ist der Film wie eine Art fiktive Reality-Doku aufgebaut, indem der ungekrönte König von Roms VIP-Gesellschaft Jep Gambardella (Toni Servillo) auf verschiedenen Veranstaltungen begleitet wird. Dort wird man Zeuge verschiedenster Unterhaltungen zwischen Leuten die der gehobenen Gesellschaft Roms angehören. Es ist somit alles kleinteilig auf Szenen ausgelegt.
Im Kern geht es auch um eine Sinnkrise eines alternden Menschen, welcher dem alten ausschweifenden Lebensstil etwas überdrüssig wird. Darüber hinaus gibt es dann Konversationen mit verschiedensten Menschen aus der VIP-Szene, in welcher ohne Zweifel auch immer die Dekadenz zu spüren ist. Dabei sollte es eigentlich nichts Neues sein, dass es auch hinter der snobistischen Fassade manch reicher Leute bröckelt und auch die vermögende Gesellschaft ihre eigenen Probleme hat. Etwa der alte Romano in der Rolle eines Sugardaddy’s weil er anders keine halbwegs attraktive Frau mehr bekommt oder die Millionenerbin mit ihrem psychisch kranken Sohn. Dazwischen gibt es einen kurzen „Gastauftritt“ der strippenden Freundin Ramona, welche während der Geschichte stirbt.
Alles weitere sind wenig spektakuläre Alltagsgespräche über Leben in Armut oder ein neues Buch herauszubringen. Das Ende bleibt sich hier treu und der Vorteil ist dass man hier überhaupt keinen Spoiler schreiben kann, weil es auch keine Pointe gibt. Das Ende hätte man somit an jeder anderen beliebigen Stelle des Films setzen können, weil der Film mit keiner Überraschung endet sondern ähnliche Ansichten über das Leben präsentiert die schon relativ am Anfang aufkamen. Konkret: Der einstige Partylöwe erinnert sich gedanklich an die erste Begegnung mit seiner Frau (merkwürdigerweise mit einer total unromantischen Chormusik unterlegt) dann kommen bedeutungsschwangere Gedanken über das Leben (die auch nicht sonderlich originell und andersartig sind „Lärm und Geschwätz, trostlose Elend, erbärmlicher Mensch,…“) und der Entschluss einen neuen Roman zu schreiben. That’s it! Besonders kreativ musste hier das Drehbuch (Paolo Sorrentino, auch verantwortlich für die Regie) nicht sein.
Was der Film eigentlich abseits von Lebenskrise und Neuorientierung sagen wollte ist mir ein Rätsel. Das hat für mich einen ähnlichen Unterhaltungseffekt als wenn ich in einem Kaffeehaus sitzen sollte und etwas mehr als 2 Stunden die Gespräche der Nachbartische belausche (was ich natürlich nie machen würde). Was ich an dem Film jedoch schätze sind die schönen Bilderwelten und irgendwie finde ich diese Machart auch mutig. Sicher hat er damit auch seine Daseinsberechtigung, wenn man etwa nicht gerade in der Stimmung ist sich eine hochdramatische Geschichte anzuschauen sondern sich von schönen Bildern und Alltagsgesprächen einfach nur mal berieseln lassen möchte. Falls man zwischendrin einschlafen sollte und an einer anderen Stelle aufwacht, kein Problem, es geht hier nicht um zusammenhängende, aufeinander aufbauende Szenen, nur um Vermittlung von Stimmungen und sich ständig im Kreis drehende Gedanken.
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von newhorizon



