Vito

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Forumseintrag zu „Vito“ von themovieslave

themovieslave
themovieslave (20.02.2012 23:22) Bewertung
Vito

„Vito“ schließt sich vielen Dokumentarfilme der letzten beiden Jahre an, die die Schwulen- und Lesbenbewegung der 1980er (in New York City) bzw. die Stonewall-Riots aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Gleichnamiger Protagonist ist hier eben Vito Russo, New Yorker Filmkritiker, -historiker, Autor und LGBT-Aktivist. Interviews mit Wegbegleitern, Verwandten und Beobachtern mischen sich hier mit Archivaufnahmen der Lebenszeit Russos. Der Fokus liegt dabei weniger auf seiner filmhistorischen Arbeit, sondern an seinem Aktivismus (der natürlich ohne seinem Standardwerk „The Celluloid Closet“ kaum betrachtet werden kann). Der eloquente, inspirierende und charismatische Vito Russo wird hier als eine der zentralen Persönlichkeiten der Bewegung portraitiert und das obwohl, wie man in einem Archiv-Interview mit Russo selbst hören und sehen kann, er sich während der Stonewall-Aufstände versteckt hat und der Meinung war, da seien Verrückte am Werk. Im Zuge der Betrachtung von Vito Russos Leben wird natürlich auch die beginnende AIDS-Krise nicht außer Acht gelassen, schließlich starben sowohl Vitos Lebensgefährte wie auch Vito selbst (1990) an AIDS. Was aus diesem Sammelsurium an Themen, die das Leben eines Menschen bieten, herauskommt, ist ein unterhaltsamer, detaillierter und kritischer Blick auf eine Protestbewegung, deren Wichtigkeit heute nur noch marginal wahrgenommen wird. Zwar erzählt „Vito“ nichts neues über die Stonewall-Bewegung, was man nicht schon aus anderen Dokumentarfilmen kennt. Auch ist Jeffrey Schwarzs Inszenierung keinerlei großer Bemerkungen wert, da die Doku nicht anders oder origineller aussieht als die ohnehin immer scheinbar erzählerisch makellosen Dokumentarfilme von HBO (der TV-Sender ist hier als Partner beteiligt und wird die US-TV-Premiere von „Vito“ ausstrahlen). (Film)historisch Interessierten sei jedoch „Vito“ wärmstens empfohlen, da er einen Blick auf einen fast schon vergessenen Filmhistoriker ermöglicht, dessen Wert für die Filmforschung eng mit den LGBT-Protesten in den USA zusammenhängt.
 
 

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