Suspiria

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Forumseintrag zu „Suspiria“ von Thorsten

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Thorsten (15.11.2018 10:06) Bewertung
Ein Meisterwerk des Horrors
Hexen sind ein Thema, das Argento, einem Meister des Giallo und Horrorkinos, seit seiner Kindheit faszinierte und ihn selbst später, als erfolgreichen Filmemacher, nicht los ließ. Nachdem er 1975 in „Rosso - Die Farbe des Todes“, bereits gewisse übernatürliche Phänomene andeutete, sollte sein nächstes Werk ganz im Zeichen der Hexerei stehen. Dazu begab Argento sich gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin und Drehbuch Co-Autorin Daria Nicolodi auf eine Reise durch Europa, um das Wesen der Hexenkunst genauer zu erforschen. Dabei stießen sie auf das von Thomas De Quincey 1845 veröffentlichte Werk „Suspiria De Profundis“, das dem kommenden Film sowohl den Titel „Suspiria“ gab, als auch mit seinem drei Mütter Konzept (Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum und Mater Lachrymarum) für das Grundgerüst der Mythologie hinter „Suspiria“ und seiner späteren Fortsetzungen „Feuertanz - Horror Infernal“ (1980) und „Mother of Tears“ (2007) sorgte.

„Suspiria“ ist für mich nicht bloß ein, sondern das Meisterwerk des Horrors; eine perfekte Symbiose aus Akustik, Ästhetik und Angst. Ähnlich wie die Protagonistin „Suzy Bannion“, die von den USA aus auszog, um an der prestigeträchtigen Tanzakademie in Freiburg ihre Ballett-Technik zu vollenden, ahnen wir bereits in der Eröffnungsszene, dass ein Hauch von Magie in der Luft liegt. Doch ist es jene Art von Magie, die einem den Schauer über den Rücken laufen lässt, aber zugleich von unwiderstehlicher Natur ist. Dafür verantwortlich sind die märchenhafte Optik, eindrucksvoll eingefangen vom Kameramann Luciano Tovoli, und der brillante Soundtrack der italienischen Progressive Rock Band „Goblin“.

Dass dies alles an ein Märchen erinnert ist kein Zufall, sondern Argentos von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (1937) inspirierte Vision, die mit einem Schuss Mario Bava und Fritz Lang perfektioniert wurde. Ursprünglich wollte Argento den Film mit Kindern drehen, wurde vom Studio allerdings dazu gedrängt auf volljährige Schauspielerinnen zurückzugreifen. Um seine ursprüngliche Vorstellung durchzuziehen, entschied sich Argento dazu den Dialog kindlich zu halten und die Architektur der Sets etwas zu verändern. So wurden zum Beispiel alle Türgriffe etwas nach oben verlegt, um die perfekte Illusion einer für die Darstellerinnen zu großen Welt zu kreieren.

Ich könnte nun stundenlang über die grandiosen Leistung der Darstellerinnen, den markanten Kurzauftritt von Udo Kier, die hypnotisierende visuelle Narration und den numinosen Soundtrack schwärmen, aber keines dieser Worte könnte diesem Werk auch nur annähernd gerecht werden. Deswegen rate ich jeder Person, die „Suspiria“ noch nicht kennt, das Original von 1977 so schnell wie möglich zu sehen, am besten den neuen restaurierten 4K-Transfer!
 
 

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