The Artist

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Forumseintrag zu „The Artist“ von UNCUT


uncut
UNCUT (19.05.2011 23:59) Bewertung
„If only he could talk“

Dieser Film ist ein einzige Liebeserklärung an das Kino. Jean Dujardin spielt einen Stummfilmstar, der das Aufkommen des neuen Tonfilms anfangs belächelt, doch schon bald feststellen muss, dass er zum alten Eisen gehört und in Hollywood ständig neue Gesichter gefragt sind.

Dieser Film braucht kein 3D, keine großen Effekte, kein gesprochenes Wort. „The Artist“ ist ein Stummfilm in schwarzweiss und im ganz ganz alte 4:3 Format. Ein Rückbesinnen auf eine alte Erzählweise, die zeigt dass es für eine gute Geschichte keine Worte braucht. Denn letztendlich ist es immer die Geschichte, die einen überzeugen muss. Schwarzweiß oder Farbe, quadratisch oder Cinemascope, auf einer IMAX-Leinwand oder nur auf einem Handydisplay? In jede nur erdenklichen Art kann ein Film eine Geschichte erzählen. Und kann wenn er es gut macht, kann er Menschen bewegen, wie es dieser Film mühelos schafft.

Der Hauptdarsteller Jean Dujardin ist in Frankreich unter anderem durch die OOS-Filme bekannt, die unterhaltsame James-Bond-Parodien. Welche Ähnlichkeit er mit einem jungen Sean Connery hat, ist momentan auf dem Cover einer französischen Filmzeitschrift zu sehen. Im Film erinnert er aber durch sein perfekt abgestimmtes Outfit an die Stummfilmstars vergangener Tage. Er spielt seine Rolle ohne Worte aber mit viel Ausdruck.

Im Prinzip ist der Film eine Romanze zwischen dem Stummfilmstar und dem jungen Nachwuchsstar, aber auch zwischen dem Kinopublikum und dem Medium Film.

Wie alte Stummfilme kommt der Film zwar ohne gesprochenem Text aus, nicht aber ohne Text in Form von Zwischentitel. Kurze Zeilen, die teils sogar mit Wortwitz versehen sind. So wird etwa der Stummfilmstar nach dem Ende seiner Karriere auf der Straße angesprochen. Doch nicht er wird erkannt sondern sein Hund. Sein Hund ist sein bester Freund. Das Kommentar an den Passanten „If only he could talk“. Ja, in diesem Satz sind sich Hund und Herrchen sehr gleich.

Wird der Film hier in Cannes etwas gewinnen? Ich hoffe es sehr, aber befürchte das man dann doch auch irgendeine dramatische Geschichte mit einer gesellschaftspolitische Message zurückgreifen wird. Schön wäre es jedenfalls, wenn bei einem großen Filmfestival auch einmal eine solch schöne Liebeserklärung an das Kino an sich ausgezeichnet werden würde.
 
 

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