Source Code
| Bewertung durch newhorizon | 60% |
| Durchschnittliche Bewertung | 73% |
| Anzahl der Bewertungen | 10 |
Forumseintrag zu „Source Code“ von newhorizon
Auszug aus dem Forum des Films „Source Code“:
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Das etwas andere Hamsterrad
Man fühlt sich anfänglich schnell an die 1993er Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murry und Andie MacDowell erinnert. Was aber bei dem Murmeltier die Tagesschleife war, wird hier bei der Hauptfigur Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) auf 8 Minuten reduziert und natürlich nicht mehr komödiantisch behandelt.
Der Anfang hat mich noch in seinen Bann gezogen denn er wirft zunächst Rätsel auf. Etwas das ich prinzipiell gut finde. Zum einen stellt sich sehr bald die Frage warum diese Person, offensichtlich etwas unfreiwillig, zu dieser 8-Minuten-Schleife gezwungen wurde. Zum anderen wer der tatsächliche Täter des Bombenattentats ist. Zweiteres wird relativ bald gelöst, wobei es hier keine originelle Pointe gibt, denn der Attentäter entputt sich ziemlich schlicht als ein Psychopath. Die Antwort auf die erste Frage ist etwas komplexer und wird schrittweise bis zum Ende des Films aufgelöst.
Leider aber wie so oft bei solchen Filmen: Dramatik geht vor Logik. Ohne jetzt einen eigentlichen Spoiler für das Ende aufzumachen: Dieser „Source Code“ erlaubt es die letzten 8 Minuten eines bestimmten Menschenlebens zu übernehmen. Den Attentäter zu finden würde Sinn machen um zukünftig geplante Anschläge verhindern zu können. Aber da die Explosion bei der zwei Züge beteiligt waren, ja ebenso schon in der Vergangenheit stattfand, stellt sich die Frage, warum es dann plötzlich auch darum ging die Bombe im Zug zu finden und zu entschärfen? Es wird ja im Film schließlich explizit erwähnt, dass es keine Zeitreisen sondern nur Erinnerungen der Verstorbenen sind. Ist diese Sache wohl nicht ganz zu Ende gedacht worden?
Da hat sich der Autor (Ben Ripley) vielleicht etwas zu viel von der Spielreihe Assassins Creed beeinflussen lassen, wobei es da auch eines genetischen Nachfahrens bedarf und es beim Spiel um so etwas wie angestrebte „Synchronizität“ geht. Sicher soll es ein Sci-Fi-Film sein, aber hier Erinnerungen mit tatsächlichem Erleben zu vermischen ist schon etwas fragwürdig, denn verändert Colter Steven mit seiner Aktivität die Ereignisse dann kann es keine Erinnerung mehr sein, der Verstorbene hatte schließlich etwas anderes erlebt.
Mit viel gutem Willen kann man es dann vielleicht so deuten, als sei es tatsächlich keine Erinnerung sondern eine Art Parallelwelt. Doch damit verschiebt sich das Problem nur: Warum existiert dann überhaupt das 8-Minuten-Limit? Und inwiefern handelt es sich noch um eine „Kopie“, wenn jede Interaktion zwangsläufig zu Abweichungen führt? Da vermischen sich also leider Dinge die nicht logisch zusammengehören, egal wie man es auch dreht.
Denkt man hier nicht über solche Details und Logikfehler nach kann die Geschichte sicher beeindrucken, aber da ich jemand bin der mich nicht nur von einem Film passiv dahintreiben lassen möchte sondern versuche alles in einen sinnvollen Kontext einzuordnen, stoße ich hier auf Dinge die mich negativ hinsichtlich des Gesamteindrucks beeinflussen.
Wobei leider auch das viel bessere Ende verpasst wurde. Spoiler: Wenn der Countdown abläuft, alle Zuginsaßen lachen, sich Colter Stevens und Christina Warren (Michelle Monaghan) küssen und dabei alles einfriert…dann wäre der Zeitpunkt für das ästhetisch perfekte Ende voller Poesie gekommen und hätte bei mir noch so manche Enttäuschung wieder gutgemacht. Leider geht aber danach alles weiter und es werden noch unnötigerweise Meldungen an die tatsächlich existierende Goodwin (Vera Farmiga) geschickt die den gerade positiv gewonnenen Eindruck wieder zerstören und obendrein das Plot-Hole noch mal mit Ausrufezeichen bestätigen.
Von Poetik zu banalem Larifari-Ende. Es mutet an wie „Huhu Urlaubsgrüße aus der anderen Welt“ per Textübertragung. Ziegruppe: Einfaltspinseln. Wer nur halbwegs etwas für Ästhetik und Sinnlichkeit übrig hat muss hier eigentlich die Hände vors Gesicht schlagen. Regisseur Duncan Jones beweist wieder mal für mich wie schon in „Moon“ (2009), dass er gute Ansätze zeigt aber ein gutes Ende nicht seine Sache ist. Die Filmmusik von Chris P. Bacon ist dazu oftmals ein emotional flacher Einheitsbrei in meinen Ohren. Das passt manchmal zu den teils aussdrucksstarken Szenen wie ein Baukran mitten auf einem idyllischen Palmenstrand. Zumindest die Schauspieler machen ihre Sache durchwegs gut und die Inszenierung kann in einigen Teilen sehr überzeugen. Da wurde sicher Potential für Besseres liegengelassen.
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von newhorizon

