Ungewöhnliche Vampirkost aus Südkorea
“Durst” ist ein Film der Gegensätze: Er verbindet
- ruhige Szenen, wunderschöne, teils poetische Bilder und philosophische Fragestellungen mit viel Blut, expliziter Gewalt und Sex (erfrischenderweise ohne Hollywood’sche Weichzeichnung),
- eine ernste Geschichte über innere Konflikte, Rache, Schuld und Sühne mit makabrem Humor, der zwischendurch in das Groteske abgleitet, sowie
- Realismus mit übertrieben inszenierter Phantastik.
Dazu gibt es eine toxische Romanze, die zwischen sanften, manipulativen, leidenschaftlichen, grotesken und gewalttätigen Momenten wechselt.
Horrorfilm-Spannung kommt nicht auf, die Spannung des Films ist viel subtiler. Auch die Action hält sich in Grenzen. Ein paar Kürzungen wären sicher möglich gewesen, langweilig wurde mir aber nie. Während der Film über viele ruhige Momente verfügt, ist das Hin- und Herschwanken der beiden Hauptfiguren zwischen den einzelnen Emotionen teilweise zu rasant, um glaubwürdig zu wirken. Da der Film auch an anderen Stellen mit Überzeichnung arbeitet, finde ich dies jedoch nicht weiter störend. Allerdings enthält der Film einige problematische, misogyne Aspekte, die ich in einem aktuellen Film nicht dulden würde.
Meine Lieblingsszene:
*** SPOILER ***
Am besten gefällt mir das Mahjong-Spiel, in dem Tae-jus Adoptiv-/Schwiegermutter zu kommunizieren beginnt, sowie die darauf folgende “Jagd” durch das weiß angestrichene Gebäude. Toll umgesetzt!
*** *** *** ***
Fazit: “Durst” ist ein ungewöhnliches, schräges, teilweise groteskes Horrordrama, das sicher nicht jedermanns Geschmack trifft. Für mich zählt es zwar nicht zu den besten, aber definitiv zu den interessantesten Beiträgen zum Vampirfilm”genre”. Feminismus-Preis gewinnt der Film jedoch keinen.
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