Das Leben ist schön

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Forumseintrag zu „Das Leben ist schön“ von 8martin

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8martin (19.04.2014 17:32) Bewertung
Ist das Leben wirklich schön?
Eigentlich sind es zwei eigenständige Filme (jeweils 60 Minuten), die unabhängig von einander sind und die nur durch die beiden Hauptfiguren Roberto Benigni und Nicoletta Braschi zusammengehalten werden. Daneben gibt es im ersten Teil noch unbedeutende Anspielungen auf die ‘Herrenrasse‘, ein jüdisches Pferd und eine Matheaufgabe, die die Euthanasie problematisiert. Der erste Teil ist eine warmherzige, italienische Liebeskomödie im besten Sinne des Wortes mit Gags, die vom Slapstick über gekonnt leichtfüßige Situationskomik bis zur zauberhaften Wanderung eines Hutes reichen.
Der Übergang zum 2. Teil ist gekonnt gemacht.
Aber alle Welt redet nur von diesem Teil und dem KZ. Das liegt wohl daran, dass seit Chaplins ‘Diktator‘ niemand mehr dem Nationalsozialismus mit Komik begegnet ist. Hier ist die Diskrepanz zwischen der grausamen Realität und dem Mannschaftspiel wie es Vater Guido seinem kleinen Sohn Giosue vorgaukelt der Grund für makabre Komik die teils tragisch endet. Ein verbales Highlight sind die Untertitel bei Guidos Übersetzung der Lagerregeln. Manches wirkt realitätsfern, wird aber teilweise durch Andeutungen abgefedert, die in nebulöse Traumwelten hinweisen (Kleiderberge, Leichenberge). Horst Buchholz als deutscher Hauptmann zeigt den Wahnsinn aus Hilflosigkeit und menschlicher Schwäche eindrucksvoll.
Konsequent fast schon störrisch unbeirrt bleibt Regisseur Benigni bei der Betonung des Titels. Ein Meisterwerk bei dem selbst die Musik der Wirklichkeit nur dann schmeichelt, wenn es sich um eine angenehme, emotionsgeladene Szene handelt. Oscars sind verdient.
 
 

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