Desires of a Housewife

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Forumseintrag zu „Desires of a Housewife“ von Harry.Potter

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Harry.Potter (12.02.2007 15:31) Bewertung
„American Beauty“ lässt grüßen, aber nur aus der Ferne ...

Regisseur Ryan Eslinger hatte bei seinem ersten Film unübersehbar ein großes Vorbild vor Augen: “American Beauty”, diesen sehr erfolgreichen, boshaften, gesellschaftskritischen Film über die Verlogenheit der amerikanischen Gesellschaft. Das Beginnt schon bei der Filmmusik, die von Thomas Newmans Lehrling geschrieben sein könnte und nur durch die Songs von Billy Corgan (“Smashing Pumpkins”) angereichert wurde. Es geht weiter mit dem Aufbau des Filmes, Szenen aus dem langweiligen Alltagsleben von Gary und seiner gescheiterten, aber nach außen aufrecht erhaltenen, Ehe, deren Ablaufdatum schon fest zu stehen scheint und führt über einige Episoden rund um Bill, den Hausmeister, dessen Nachbarn und auch Garys Freund Travis (Pruitt Taylor Vince) zum Finale, in dem der Tod einer der Figuren die anderen, mit denen er mehr oder weniger entfernt zu tun hat, einerseits von einer Last befreit und andererseits aufrüttelt und ermutigt, ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu neuen Zielen aufzubrechen.

Sharon Stone wird bei der Pressekonferenz natürlich auf ihre Rolle in “Basic Instinct” angesprochen, die sie aber persönlich als Chance begreift, andere, viel bessere Filme zu drehen, wie zum Beispiel “Casino” mit Martin Scorsese. Für sie aus Schauspielerin ist es wichtig, einen Regisseur zu haben, der ihr den Freiraum lässt, einzelne Szenen kreativ sich entwickeln zu lassen und eigene Ideen einbringen zu können. Dies wäre sowohl bei Ryan Eislinger als auch bei Martin Scorsese auf eine sehr ähnliche Weise der Fall. Sie stellt die beiden Regisseure auf die gleiche Ebene, was angesichts des filmischen Schaffens von Martin Scorsese wohl eher metaphorisch als wörtlich zu verstehen ist. Für diesen Film sah sie das Interessante der Geschichte darin, Menschen zu zeigen, die an einem Punkt in ihrem Leben angelangt sind, wo sie sich absolut NICHT gut fühlen und heraus gefordert sind, diese Krise zu meistern. Dabei meint sie, dass wir immer wieder davon ausgehen, sich schlecht zu fühlen wäre etwas Falsches, gegen das man ankämpfen müsse. Ihrer Meinung nach aber gehört auch das sich schlecht-Fühlen zum Leben dazu und es wäre manchmal das Bessere, dieses Gefühl zuzulassen. Auf den Einwurf, ihre Rolle wäre eine sehr, sehr wortkarge Rolle, meint sie eher knapp, genau das habe sie auch an der Rolle gereizt, weil sie dort eine Frau spielen kann, die eben in ihrer Lebenssituation nichts zu sagen hat und das auch zulässt.

Einen sehr nachdenklichen Moment gibt es dann am Schluss, als die Frage auftaucht, wie sie sich dabei fühlt, wenn sie, wie vor ein paar Jahren, in dem völlig untergegangenen und eher bedeutungslosen Film “Die Muse” ebendiese spielte, die in einer Welt, die den Männern gehört, eben diesen die Inspiration liefert, so weiter zu machen. Nach einer ungewöhnlich langen Nachdenkzeit meint sie:”Wissen Sie, es gibt immer wieder Momente, wo wir denken, andere hätten alle Fäden in der Hand und die Macht, Dich ganz nach unten zu drücken. Aber die Wahrheit ist doch vielmehr, dass unser Leben uns ganz alleine gehört und es nicht wichtig ist, zu wissen, warum oder durch wen wir so weit nach unten gefallen sind, sondern dass es darauf ankommt, zu wissen, wie wir wieder hinauf kommen.” Diese Frage scheint ihr ziemlich nahe gegangen zu sein, denn am Ende der PK ist ihr Lächeln nicht mehr so strahlend wie am Beginn und man spürt es förmlich, dass sie hier wieder weg möchte.

Als Hauptdarstellerin in dem Film, an dem sie auch als Produzentin mitgewirkt hat, hat sie sich für ein zweifellos interessantes, wenn auch nicht überragend innovatives Drehbuch entschieden, das in letzter Konsequenz viel an Originalität vermissen lässt. Auch wird der Sinn des Filmtitels erst bei der PK klar, als Regisseur Ryan Eislinger erklärt, es handle sich um ein Wortspiel mit dem Sprichwort:”When a tree falls in a forrest”, das sich wohl am ehesten mit dem bei uns gebräuchlichen Fahrrad, das in China umfällt, übersetzen ließe. Es geht um das nicht Wahrgenommenwerden, das an sich selbst nicht Glauben und um Wendepunkte im Leben, die man für sich selbst entdecken und zu nutzen lernen muss. Der Film bietet zu diesem Thema einige durchaus sehenswerte Ansätze, kratzt aber letzten Endes doch nur wieder an der Oberfläche dahin, ohne jenen Tiefgang zu erreichen, die seine offensichtlicher Vorbilder (“American Beauty” und zu einem gewissen teil auch “Magnolia”) vorgegeben haben.
 
 

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