Sirat
| Bewertung durch newhorizon | 35% |
| Durchschnittliche Bewertung | 71% |
| Anzahl der Bewertungen | 8 |
Forumseintrag zu „Sirat“ von newhorizon
Auszug aus dem Forum des Films „Sirat“:
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Roadmovie-Apokalypse
Ein Rave-Grüppchen das bis auf eine Ausnahme aus Laiendarstellern besteht, fährt in der Steinwüste Marokkos herum. Wie und zu welchem Zweck sie dort hingekommen sind bleibt offen (Touristen? Auswanderer?) . Die in die Jahre gekommenen Hippies wirken äußerlich spröde und desolat wie die Wüste die sie umgibt, einem fehlt der Arm, dem anderen ein Bein und die Frauen scheinen ebenso von Drogen gezeichnet zu sein. Gefolgt werden sie von einem wohlgenährten Mann mit seinem Sohn welcher seine vermisste Tochter sucht. Auch hier erfährt man keine näheren Hintergründe. Alles bleibt nebulös, dafür bekommt man eine Aneinanderreihung von Tod, Verlust und Trauer zu sehen. Willkommen im Film Sirāt.
Dabei hätte es dem Film nicht geschadet hier plausible Sinnzusammenhänge zu erfahren. Was verschlägt diese Menschen, die offensichtlich alle keine Marokkaner sind, gerade in eine menschenfeindliche Umgebung die dazu noch stellenweise vermint ist? Was für Schicksalsschläge und Vorgeschichten stecken hinter diesen angedeuteten menschlichen Tragödien? Man hofft dies alles noch bis zum Ende irgendwie erfahren zu können, was wundersamerweise aber nie tiefergehender behandelt wird. So hatte ich am Ende das Gefühl ich hätte einen zweiten Teil einer Filmserie angeschaut. Vieles bleibt offen und ich vermute dem Regisseur und Drehbuchautor Óliver Laxe ging es nur darum möglichst schockierende, provokante Bilder zu dem Thema Tod und Trauer zu zeigen.
„Brücke, dünn wie ein Haar und scharf wie ein Messer“ soll Sirāt im Arabischen bedeuten. So zeigt es sich auch bei den beruflichen Filmkritikern. Tendenziell wird dieser Film entweder als Meisterwerk gelobt (Telegraph, The New Yorker,…) oder es wird die schlechteste Bewertung vergeben (Le Figaro, Die Zeit, Cahiers du cinéma,…). Das überrascht auch nicht, polarisieren provokante Filme doch am meisten. Es ist dann Geschmackssache ob man dieses Stilmittel aufregend oder als banales Mittel zur Aufmerksamkeitsgenerierung empfindet.
Meiner Ansicht nach ist Provokation immer leichter zu realisieren als man arbeitet mit subtilen Mitteln, die zwar keine aufdringliche aber dafür vielschichtigere, tiefergehende Botschaften vermitteln. Wenn es dann auch noch auffällige Plot-Holes wie in diesem Film gibt, dann erhöht das für mich auch nicht gerade die Sympathie zu dieser Geschichte. Luis (Sergí Lopez, der einzige Schauspieler mit Erfahrung) rennt in seiner Verzweiflung nach dem Tod seines Sohnes tiefer in die Wüste hinein um dort erschöpft niederzusinken. Er wird dort von der Hippie-Gruppe aufgefunden, doch plötzlich scheinen überall in kurzen Meterabständen Minen zu liegen die bei Betreten explodieren. Es stellt sich die Frage: Wie konnte dann Luis den ganzen Weg zu diesem Ort hinlaufen ohne dass ihm irgendetwas passierte? Eine Begründung wie „großes Glück“ akzeptiere ich dabei nicht.
Alles in allem kein Film der mich begeistern kann. Wen dieser Film auch psychisch nicht runterzieht den beneide ich um seine gesunde Frohnatur. Die Prozente gibt’s nur für die Schauspieler, die ihre Sache gut gemacht haben.
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von newhorizon



