Der Lehrer, der uns das Meer versprach

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Forumseintrag zu „Der Lehrer, der uns das Meer versprach“ von newhorizon

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newhorizon (11.11.2025 18:56) Bewertung
Spanische Vergangenheitsbewältigung
Filme über historische Ereignisse haben eines gemeinsam: Sollte hier nicht die Geschichte stark verzerrt werden weiß man schon vorab wie in etwa der Ausgang dieser verläuft. Dieser Film mit dem pathetischen Titel nimmt Bezug auf einen tatsächlich einmal existierenden Lehrer einer Grundschule, Antoni Benaiges, in Zeiten vor dem spanischen Bürgerkrieg. Der Lehrer fiel durch seine ungewöhnlichen Lehrmethoden im Dorf auf. Statt autoritärer Strenge kommunizierte er mit den Kindern auf Augenhöhe, wagte sich aber dabei so weit aus dem Fenster, dass er sogar gesellschaftskritische Texte drucken ließ. Der Name des Films kommt von dem Versprechen des Lehrers den Kindern einmal das Meer zeigen zu wollen, da sie es noch nie in ihrem Leben sahen.

Enric Auquer als Antionio Benaiges, eine spanische Variante irgendwas zwischen dem jungen Al Pacino und Adrien Brody, spielt einen glaubhaften Sympathieträger, vielleicht auch etwas zu locker und fröhlich in Anbetracht des Gegenwinds der ihm von so manchen Dorfbewohnern entgegenkommt. Beeindruckender finde ich aber die Kinder, da habe ich schon deutlich schlechtere Darstellungen von Schauspielern in ähnlichem Alter gesehen.

Wäre es bei dieser Zeitebene geblieben hätte mich der Film weitaus mehr überzeugt. Leider sind es aber immer nur Rückblenden und die eigentliche Handlung ist im Jahr 2010 angesiedelt. Eine Frau namens Ariadna (Laia Costa) möchte hier weiterverfolgen was ihr Großvater begonnen hat: Nach den Überresten seines Vaters zu suchen welcher im spanischen Bürgerkrieg der Vermutung nach in einem Massengrab verscharrt wurde. Leider holen mich diese Szenen überhaupt nicht ab, sie wirken viel mehr wie ein Störfaktor der zentraleren Geschichte des Lehrers. Diese Frau irrt verzweifelt umher, wühlt in Dokumenten, besucht erfolglos eine Aushebung eines Massengrabs,… Auch wenn ich mir vorstellen kann, warum das eingeflochten wurde (sozusagen, das alles noch heute in Spanien nachwirkt und aufgearbeitet wird) hat das für mich keinen Gewinn für die historische Geschichte und auch das Ende dieser Zeitebene wirkt auf mich zu banal.

Und ja, da bei mir Filmmusik auch immer ein wichtiger Bestandteil ist: Die Komponistin Natasha Arizu del Valle bleibt unauffällig, kaum effektiv. Höchstens als solide einzustufen.

Insgesamt gesehen hat der Film für mich zwei Gesichter und somit keiner den ich mir unbedingt ein zweites Mal anschauen möchte.
 
 

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