Mond
Exklusiv für Uncut von der ViENNALE Die Geschichte des neuen Films von Kurdwin Ayub zieht Zusehende in ihren Bann. Die anfängliche Harmlosigkeit kippt in der zweiten Hälfte in einen dunklen Horror bezüglich der weiblichen Protagonistinnen: wohlgemerkt für insbesondere jene, die in Amman in Jordanien leben. Dort trainiert die österreichische Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Sarah (Florentina Holzinger) die drei Schwestern eines reichen Mannes (Abdul) des jordanischen Geldadels in einer riesigen Villa. Die Eltern sind während des ganzen Films abwesend. Der englischsprechende Abdul wirkt zu Beginn freundlich und wird als Sympathieträger dargestellt, bald muss Sarah jedoch einen Geheimhaltungs-Vereinbarung unterschreiben.
In Wien war Sarah in Geldnöten, weil sie bei Wettkämpfen zu oft verloren hatte. Darum nahm sie dieses Angebot an und findet sich nach ihrer Ankunft in Jordanien in einer komplett anderen, versteckten und kontrollierten Welt wieder, die durch Reichtum und autoritäre, patriarchale Strukturen einer Diktatur gekennzeichnet ist. Diese entwickelt die sich im Lauf des Films zunehmend undurchschaubarer und beklemmender, ähnlich einem Gefängnis.
Die drei Schwestern zeigen sich beim Training wenig motiviert und verbringen ihre Zeit bevorzugt vor dem Fernseher bei Soaps und Telenovelas. Die einzige Möglichkeit eines Ortswechsels stellen für sie Shopping Malls dar, in dem Sarahs Mobiltelefon ausgeborgt wird. Sarahs Telefon ermöglicht die Verbindung zur Außenwelt, die für Sarah selbstverständlich ist, nicht aber für die Schwestern. In Folge erhält sie darauf alarmierende Videobotschaften über deren Leben und die Existenz einer vierten Schwester.
Zusehend unheimlich entwickeln sich die Umstände im Haus, die so weit reichen, dass Sarah zum Beispiel nicht das Obergeschoß betreten darf. Abends in ihrer Freizeit versucht Sarah dem Korsett im Haus in eine Cocktailbar zu entfliehen, wo sie von männlicher Seite schnell in die Schranken gewiesen wird. Einmal kann sie in Freiheit einen geheimen Techno-Club finden, wo das Wummern des Basses und ihr wildes Tanzen kurz Erleichterung verschaffen.
***** SPOILER *** **
Den Wendepunkt der Ereignisse bringt eine fast unrealistische Szene, in der die vierte Schwester aus ihrem Versteck ausbricht und sich anzündet, wobei Sarah nur sprachlos zusieht. Der Filmteil in Jordanien endet mit einem Fluchtversuch Sarahs mit den Schwestern, als diese vorgeben zum Gebet zu gehen und so ihren Security kurz abschütteln können. Der Fluchtversuch endet mit der Fahrt aus der Tiefgarage, wo die Frauen von den securities auch schon wieder abgefangen werden.
Nach einem Szenenwechsel findet sich Sarah wieder zurück in Wien, denn sie kann als westliche Frau gehen wohin sie will.
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Schwer zu interpretieren war nach dieser Gewalt-Geschichte in patriarchalen Systemen ihr Karaoke-Gesang von Rhiannas „S&M“. Zum Abspann dann hätte der Soundtrack passender jedenfalls nicht sein können! Harter Electro-Sound!
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