Pfau - Bin ich echt?
| Bewertung durch newhorizon | 70% |
| Durchschnittliche Bewertung | 81% |
| Anzahl der Bewertungen | 10 |
Forumseintrag zu „Pfau - Bin ich echt?“ von newhorizon
Auszug aus dem Forum des Films „Pfau - Bin ich echt?“:
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Der Weg zur Selbstfindung
Vorab, der deutsche Titel allein hätte mich nicht dazu verlocken können, diesen Film anzuschauen, denn erfahrungsgemäß verbergen sich meist hinter so schrullig, pseudooriginellen Namensgebungen flache Schenkelklopfer. Durch andere Rezensionen bin ich aber neugierig geworden und wurde positiv überrascht. Der Stil erinnert mich stark an die Filme von Ruben Östlund.
Wie bei Östlund werden hier skurrile, sozial unangenehme Situationen dargestellt die jedoch nicht so stark übertrieben werden um in Richtung Slapstick-Komödie abzudriften. Genau dieses lange Ausharren von peinlichen, moralisch ambivalenten Momenten und die Gestaltung von gelegentlich bizarren Wendungen geben dem Film einen sehr feinsinnigen, intelligenten Humor mit latentem Tiefgang. Der Kontext der Dienstleistungsgesellschaft ist dabei spannend, da hier Kundenfreundlichkeit immer die Gefahr in sich birgt, sich dem Kunden gegenüber bis zu einem gewissen Grad verstellen zu müssen.
Wie in manch Forenbeiträgen beschrieben, sehe ich hier aber nicht permanente Rollenverschiebungen, eher im Gegenteil: Der Hauptdarsteller Matthias (Albrecht Schuch sehr überzeugend in dieser Rolle) hat in jeder Situation die gleiche unnahbare Maske auf die er dann selbst bei seiner Lebenspartnerin Sophia (Julia Franz Richter) nicht ablegt und es auch deshalb zu einer Trennung kommt. Wäre er, wie manche Kritiker meinen, sozusagen situationselastisch bzw. flexibel, dann wäre es nicht zu dieser Partnerschaftskrise gekommen. Aber gerade weil Matthias sich überall wie ein Roboter auf permanentem Standardmodus präsentiert (es könnte sozusagen eine Weiterentwicklung von C-3PO / Star Wars sein), wirkt er in jeder Situation unauthentisch, steif und teils auch unpassend. Der Pfau symbolisiert dabei die Eitelkeit und Selbstinszenierung welche Matthias wie eine Fassade an sich trägt.
Da hilft es auch nicht wenn diese Maske immer und überall freundlich ist, denn es ist doch letztendlich nur eine aufgesetzte Freundlichkeit. Die Geschichte möchte somit zeigen, wie ein Mensch durch tiefgreifende Erfahrungen lernt, dass es manchmal besser ist seine inneren Gefühle offen zu zeigen und sich den Situationen besser anzupassen. Genau dieser allmähliche Wandel wird gut darin veranschaulicht, als er beginnt auch Tränen zeigen, seine Fehler eingestehen und gegen den zahlenden „Schein-Vater“ rebellieren zu können. Diese Szene in durchlauchter Gesellschaft erinnert auch wieder stark an Östlunds provokante Szene in „The Square“ als ein Mann in einem ebensolchen Gesellschaftskreis als spielender Affe auf die Tische hüpft. Genauso hier der Seitenhieb auf die High-Society-Gesellschaft: Da wird der Nackte mit Schlamm beschmierte Gesellschaftsgast als originelles Kunstprojekt beklatscht.
Die Filmmusik (Originalkomponist Lukas Lauermann) wird ebenso wie beim schwedischen Filmemacher sehr dezent eingesetzt. Bewusst um den Film analytischer, weniger emotional zu gestalten. So nebenbei auch ein unglaublich guter Auftritt von Branko Samarovski als Johann.
Für mich einer der besten österreichischen Filme der letzten Jahre und ich bin schon sehr gespannt was der junge Regisseur und Drehbuchautor Bernhard Wenger noch zukünftig bringen wird. Dieser Einstand ist schon mal sehr vielversprechend.
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von newhorizon



