The Village Next to Paradise

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Forumseintrag zu „The Village Next to Paradise“ von newhorizon

  • Die Kraft der Stille

    Als Ridley Scott für „Black Hawk Down“ (2001) den Kampf um Mogadischu verfilmte, entschied er sich für Marokko anstatt Somalia. Die Original-Location galt schließlich als einer der gefährlichsten Orte der Welt und wäre für das Filmteam lebensgefährlich gewesen. Nach wie vor gibt es aufgrund der Terrorgefahr durch die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab und der generellen politischen Instabilität eine uneingeschränkte Reisewarnung für das Land.

    Mo Harawe filmte in diesem, seinem Land, was auch vorwiegend nur dadurch möglich war, weil er mit einem kleineren lokal ansässigen Team arbeitete. Zudem ist der Norden des Landes politisch stabiler, als das Krisenzentrum um Mogadischu. Dennoch war es für den somalischen Regisseur nicht einfach dort zu drehen, es fehlte an der Film-Infrastruktur die es üblicherweise in den Industrieländern dieser Welt gibt, musste die Laiendarsteller erstmal überzeugen und hatte für den kompletten Dreh nur 64 Tage Zeit.

    Auch wenn es ein Spielfilm ist könnte man den Eindruck gewinnen, es handle sich um eine Reality-Reportage. Für mich ist es wie eine zweistündige Reise in eines der gefährlichsten, geheimnisvollsten Länder der Erde zu machen: Die Szenen wirken authentisch, die ruhigen, atmosphärischen Einstellungen transportieren sehr gut die Stimmungen dieser Region, die Geschichte entwickelt sich natürlich und langsam ohne künstliche Hektik und Dramatisierung. Hier kann man eintauchen, hier kann man sich so richtig fallen lassen und das besser als bei jeder schnell geschnittenen Reisedoku.

    Ebenso positiv, dass viel an Außenaufnahmen zu sehen sind, was mich mehr abholt als etwa das marokkanische Kammerschauspiel in „Das Blau des Kaftan“ (2022). Zudem verzichtet dieser Film zum Glück auf jegliche künstliche Übertreibungen und irrationale Provokationen wie in „Sirat“ (2025). Diese Vergleiche kommen mir deshalb in den Sinn weil es sich bei allen drei Filmen um in Afrika gedrehte Indieproduktionen mit sehr kleinem Budget handelt.

    Mo Harawe schafft es mich mitzunehmen, um Stimmungen und Eindrücke seiner Heimat zu transportieren und ich bin positiv überrascht wie gut alle Laiendarsteller ihre Sache machen. Das Ende fühlt sich zwar für mich etwas abgeschnitten an, aber vielleicht braucht diese Machart des Films so etwas… als hätte man eine tatsächlich existierende Familie Somalias begleitet und muss dann wieder nach bestimmter Zeit die Heimreise antreten. Kein großes Gefühlskino mit Pathos aber dennoch eine beeindruckende Bilderwelt einer ansonsten kaum bekannten Kultur.
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    10.05.2026
    08:38 Uhr

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