Megalopolis

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Forumseintrag zu „Megalopolis“ von newhorizon

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newhorizon (06.12.2025 06:35) Bewertung
Was auch immer der Film darstellen will, es holt mich nicht ab
Eigentlich ist es bei mir selten dass ich bei einem Film schon nach der ersten Viertelstunde weiß, dass das gerade alles andere als ein perfektes Match zwischen mir und dem Film wird. Aus meinem tiefen Inneren schreit mein imaginärer Geschmacksberater ständig „Zeitverschwendung“ heraus während ich überlege ob ich dem ganzen noch eine Chance geben möchte oder nicht. Ähnlich wie bei „The Palace“ habe ich mich wieder von einem großen Regisseurnamen verleiten lassen und wurde hier sogar noch etwas mehr enttäuscht.

Wenn da ein Mann (Adam Driver) wie bei „Momo“ die Zeit anhalten kann, aber es sich nicht erschließt was damit bezweckt wird, er spielt damit einfach herum. Wenn derselbe in einer Rede zwischen bedeutungsschwangerem Pathos im Stile eines Shakespeares für Arme und Konfrontation hin- und herwechselt, doch am Ende alles nur heiße Luft ist, während vor ihm eine Fernsehreporterin laut zum singen anfängt. Und wenn diese Szene noch gespannt von Partytussen bestaunt wird, die zuvor in dekadenter Weise in einem Club abfeierten. Also wenn ich so etwas sehe, dann beginne ich mich schon zu fragen ob ich gerade meine wertvolle Lebenszeit richtig investiere.

Nicht dass es unwahrscheinlich wäre, dass sich Filme auch zum Positiven entwickeln können. Aber allein aufgrund des Anfangs kann man schon die prinzipielle Machart erkennen. Dabei wirken schon die Dialoge extrem aufgesetzt und alle teilnehmenden Schauspieler unglaubwürdig. Es ist da auch nichts greifbares um in irgendeiner Weise eine Spannung aufzubauen. Um es auf den Punkt zu bringen: Für mich fühlt es sich an als hätte man ein paar Laiendarsteller zusammengetrommelt die etwas im Stegreif ohne Drehbuch und Story darbieten. Ich weiß nicht wie viele Filme ich schon gesehen habe, aber das unterbietet in dieser Hinsicht wirklich alles. Gut „Kill Bill“ hatte auch keine Story oder interessante Dialoge, aber das war dort auch beabsichtigt. Ich nehme mal schon stark an, dass man hier nicht nur einen sinnentleerten Bullshit produzieren wollte (?)

Kennt man dann im weiteren Verlauf die groben Züge der Geschichte, macht es das leider nicht besser. Eine Dramaturgie des alten Roms auf eine moderne Wolkenkratzer-Stadt zu übertragen ist in etwa so unproblematisch wie die alten Bibelgeschichten in Großstädte wie Tokyo, Shanghai, Las Vegas, Singapur,… zu verlegen. Das kann man wie bei „Das brandneue Testament“ höchstens als Komödie umsetzen. Aber doch nicht als Fantasy/Sci-Fi-Film der ernst genommen werden will (?) Oder was möchte der Film damit sagen?

Sollte das alles lustig sein, ist es nicht mein Humor. Sollte es tiefsinnig sein dann habe ich da scheinbar etwas nicht verstanden. Sollte es nur eine banale Unterhaltung darstellen dann unterbietet es bei mir sogar noch jegliche Trivialität. Aber ich dachte mir, vielleicht passt das einfach nicht zwischen uns und der Film ist ansonsten sehr beliebt und erfolgreich. Dann sah ich, dass er auf imdb.com nur einen 4,7-Schnitt hat, bei der Goldenen Himbeere sechs Nominierungen erhielt (auch als schlechtester Film) und 10 Millionen Einnahmen etwa 100 Millionen Produktionskosten gegenüberstehen. NDR Kultur betitelt den Film als „Filmische Katastrophe“. Umfangreiche CGI-Effekte können die restlichen Schwächen offenbar auch nicht mehr kompensieren. Mehr als ein optisches Blendwerk ist es dann leider auch nicht. Dagegen sind selbst Roland-Emmerich-Filme eine künstlerische Offenbarung.

Ich las auch wie sehr sich Coppola dafür eingesetzt hat und Teile seines Weinbaugebiets verkauft hat um dieses Produktion gegen alle Widerstände durchkämpfen zu können. Denn ich möchte nicht wissen wie viele Körbe er dabei von Filmstudios und namhaften Schauspielern bekommen hat. Das ist die eigentlich berührende Geschichte daran und fühle dabei auch Bedauern (ähnlich wie bei Polanksi und „The Palace“), wenn sich ein einst großartiger Regisseur im höheren Alter in so ein Desaster verrennt. Hoffentlich ist wenigstens er selbst mit dem Ergebnis zufrieden, wobei das aber auch gewisse Rückschlüsse auf seinen Geschmack zulassen würde.
 
 

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