Fallende Blätter
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Forumseintrag zu „Fallende Blätter“
von newhorizon
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| newhorizon
(06.12.2025 06:46)
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Von wortkargen Eigenbrötlern und Pokerface-Gesichtern
Ich war noch nie in Finnland und weiß nicht ob ich mir aufgrund des Films ein Bild über dessen kulturelle Mentalität machen soll. Es werden Menschen dargestellt die gerade mal das Notwendigste kommunizieren und dabei die Körpersprache eines Roboters haben. Ich nehme mal an das soll die Art und Weise des Humors sein den sich Regisseur und Drehbuchautor Aki Kaurismäki so vorstellt. Das hat auch etwas eigenes, auch wenn es mich leicht tendenziell an die Charakterdarstellungen der Wes Anderson-Filme erinnert, teilweise auch Jaco Van Dormael (ich weiß auch nicht ob die Szene in welcher der Zettel mit der Telefonnummer unbemerkt vom Wind weggeblasen wurde nicht von „Mr. Nobody“ inspiriert wurde, als dort nämlich ein Regentropfen auf den Zettel mit der Nummer von Anna fiel und Nemo durch die unkenntliche Nummer keine Chance mehr hatte sie zu kontaktieren).
Mit dieser eigentümlichen Charakterdarstellung meine ich, so zu tun als sei man ein Schauspieler in einem Film, nicht so zu tun als wäre das alles gerade real. Ist auch eine Form der Darstellungsweise (vielleicht gibt es dafür schon einen Namen den ich aber leider noch nicht kenne)
Groß herausfordernd sind die Rollen somit nicht: Immer nur relativ grimmig schauen und monoton den gelegentlichen Text abstottern. Emotionen? Huh…was ist das? Glaubwürdig ist das zwar alles weniger, auch die Geschichte nicht, aber ich denke um das geht es vordergründig nicht. Die Geschichte ist auch meiner Ansicht nach eher zweitrangig, auch wenn man hier natürlich die Botschaft hineininterpretieren kann, dass im Leben neue Türen aufgehen wenn sich aktuelle gerade verschließen sollten, quasi die Optimismusbotschaft für die krisengebeutelte Gesellschaft. Für mich steht jedoch im Vordergrund diese ganz eigene Art und Weise der Darstellungsform die durchaus ihre eigenen Reize hat.
Auffällig sind noch die gelegentlichen Nachrichtenbeiträge aus dem Radio in denen ausschließlich nur Meldungen über den Ukraine-Krieg zu hören sind. Falls es damit einen Zusammenhang zur Romanze geben soll so erschließt sich mir dieser nicht, zumindest nicht offensichtlich. Vielleicht der Gegenentwurf zu einem Krieg, das Zueinanderfinden, möglicherweise aber auch die Relativierung gegenüber dem eigenen Schicksal oder als rhetorische Waffe auch als "Whataboutism" bekannt. Naja...gut, überzeugt mich weniger doch das soll nicht von Bedeutung für meinen Gesamteindruck sein.
Zwar hat mich der Film durch seine spezielle Machart gut unterhalten, aber richtig fesseln konnte er mich auch nicht.
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