Triangle of Sadness

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Forumseintrag zu „Triangle of Sadness“ von Primum


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Primum (14.10.2022 16:56) Bewertung

Subtilität ist ganz sicher nicht das Anliegen von Ruben Östlunds erstem englischsprachigen und in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film "Triangle of Sadness". Ganz im Gegenteil macht der Film gleich zu Beginn deutlich, worüber er sich in den kommenden zweieinhalb Stunden lustig machen möchte: über die Oberflächlichkeit der Modebranche, der Influencer*innen und Superreichen. Es geht um Äußerlichkeiten, um Schönheit, um Geld und um damit einhergehende Fragen von Macht und Ungleichheit.
Leider bleibt Östlunds Film in seiner Gesellschaftsanalyse jedoch genauso oberflächlich wie die Passagier*innen der Yacht, über die er sich lustig macht. Sie beschränkt sich darauf, dass sich Influencerin Yaya und ihr Modelfreund Carl zu Beginn des Films über finanzielle Ungleichheit und Genderklischees streiten oder dass sich später der kommunistische Kreuzfahrtkapitän und einer seiner superreichen Passagiere betrinken und Marx- und Thatcher-Zitate austauschen. Diese Diskussionen sorgen bestenfalls für ein paar Lacher; ihnen fehlt es aber an jeglicher Tiefe. Sie tragen keinerlei neue oder interessante Perspektiven zu Debatten bei, die seit Jahrzehnten bereits genauso geführt werden.
Die Kritik am Kapitalismus und seinen Nutznießer*innen, die sich eine Kreuzfahrt leisten können oder diese nicht mal bezahlen müssen, gipfelt schließlich im dritten Kapitel des Films, in dem einige der Passagier*innen und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffs auf einer einsamen Insel stranden. Dort müssen die sozialen Rollen und Beziehungen innerhalb der Gruppe neu ausgehandelt werden. An dieser Stelle wäre nun Raum gewesen, eine Utopie zu entwickeln, eine Gesellschaftsminiatur, die sich durch ein Mit- statt ein Gegeneinander auszeichnet, aber daran hat "Triangle of Sadness" kein Interesse. Stattdessen setzt Östlund auf den offensichtlichsten Gag: das Geld und der Status der Superreichen spielt in dieser Überlebenssituation keine Rolle mehr, stattdessen kann sich Abigail, die auf dem Kreuzfahrtschiff als Reinigungskraft arbeitet, durch ihre praktischen Fähigkeiten als Anführerin der Gruppe etablieren.
Und so ist "Triangle of Sadness" am Ende nicht bloß nicht subtil, sondern vor allem unterkomplex und oberflächlich in seiner Gesellschaftsanalyse, die an Plumpheit nur noch durch die von Iris Berben gespielte Therese übertroffen wird, die alle paar Minuten den immer gleichen Drei-Wort-Satz ruft.
 
 

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