Yes, God, Yes

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Forumseintrag zu „Yes, God, Yes“ von Harry.Potter

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Harry.Potter (19.01.2021 12:34) Bewertung
Sie werden lachen, es ist ernst
Filme über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Kontext katholischer Schulen oder Heime gab es (leider) schon mehrere. Allesamt arbeiteten sie das Thema in der Form eines Dramas auf, bei dem das Leid der Gequälten im Vordergrund stand und die Institution "Katholische Kirche" als Schuldige oder zumindest strukturell Verantwortliche kritisiert wurde. In diesem Film geht es nicht um den Missbrauch hinter verschlossenen Türen und unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit sondern um eine im Grundsatz humorvolle Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden, dem Entdecken der eigenen Sexualität und den Rahmenbedingungen, mit denen Jugendliche in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in katholisch geführten Schulen konfrontiert waren. Nun ist eine jede Auseinandersetzung mit diesem Thema von sich aus niemals vollständig, da sie das Ganze aller von katholischen Orden oder Pfarreien geführten Bildungseinrichtungen wiedergeben müsste, was von sich alleine aus schon nicht geht (Stichwort: Weltkirche) und in der Länge eines Spielfilmes von nur 78 Minuten schon gar nicht richtig Platz hat.

Wenn man das Thema aber dennoch abhandeln möchte, dass kommt man um zwei zentrale Hilfsmittel nicht herum: das Stereotyp und das Klischee. Und so finden sich in diesem Film von den Machern des (zurecht)Oscar-nominierten Filmes "Call Me By Your Name" beide Hilfsmittel großzügig im Einsatz, was zwar dem Humor des Ganzen Vortrieb leistet (zu offensichtlich sind sie nämlich von Anfang an), dem Anliegen des Filmes aber einen Bärendienst erweist. Will er als kritischer Streifen im Gewand einer Komödie Kritik an der Moral der katholischen Kirche üben, fehlt ihm leider der nötige Ernst, will er nur als Komödie über Doppelmoral und Scheinheiligkeit funktionieren, gerät er insgesamt zu oberflächlich, was entweder nur bereits sehr oft benutzte Vorurteile unreflektiert einzementiert oder alles, was mit Glauben, Moral und Verantwortung für den eigenen Körper zu tun hat, pauschal lächerlich macht. Dann gilt am Ende nämlich jener Satz von Karl Valentin, wo er meinte "Sie werden lachen, es ist ernst!" und religiöse Menschen fühlen sich mit Filmen dieser Art (die sie ohnehin kaum freiwillig anschauen werden) eher noch bestätigt darin, wie verwerflich die Welt, in der sie wohnen, doch geworden ist. Eine kritische Auseinandersetzung mit den blind übernommenen Moralvorstellungen täte ihnen eigentlich gut, funktioniert so aber leider nicht.
 
 

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