Quo vadis, Aida?

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Forumseintrag zu „Quo vadis, Aida?“ von Leander Caine

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Leander Caine (08.07.2021 14:00) Bewertung
Kein Film, das ist ein Dokument
Man stelle sich vor, dass um einen herum ein Krieg ausbricht und die Zeit kommt zu flüchten. Egal, ob jung oder alt, ob Frau oder Mann, einfach nur, weil man einer bestimmten Religion angehört, wird man bedroht, vergewaltigt und ermordet. Wer macht sowas Unmenschliches? Dein Schulfreund, dein Kollege in der Firma, der Mitarbeiter im lokalen Supermarkt und Dein Nachbar. Warum? Angestachelt von einem unbarmherzigen Nationalismus und wahnsinnigen Führern, legt man alle Werte ab, die einen Menschen ausmachen und ermordet sogar Kinder und alte Menschen, die um ihr Leben flüchten. Was kann man tun, wenn die Mörder über das fatale Schicksal der unschuldigen Zivilisten bereits entschieden haben?

Wenn man sich QUO VADIS AIDA? Von Jasmila Zbanic anschaut, sieht man mit den Augen einer Frau, die als Übersetzerin für die UN arbeitet, wie es im Sommer 1995 zum Massaker an über 8.000 unschuldigen, männlichen, bosnischen, moslemischen Zivilisten in Srebrenica gekommen ist. Was hat die Weltgemeinschaft getan? Was hat die UN getan, die den Auftrag hatte den Flüchtlingen in der UN-Schutzzone Schutz zu bieten? Leere Worte gesprochen und das Morden möglich gemacht.

Man fühlt sich ohnmächtig und schämt sich, dass derartige Verbrechen geschehen konnten. Aber noch schlimmer ist die Tatsache, dass sich so ein Wahnsinn jederzeit wiederholen kann. Den potentiellen Tätern würde ich wünschen sich in die Lage von Aida zu versetzen: das könnte dein Ehemann sein, das könnten deine Kinder sein, die feige ermordet werden. Aida, das könnte jeder von uns sein.
 
 

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