Der 13te Krieger

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Forumseintrag zu „Der 13te Krieger“ von Thorsten

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Thorsten (23.08.2019 17:52) Bewertung
Dreizehn Krieger, zwei Regisseure und ein episches Abenteuer
Eldritch Advice
1976 veröffentlichte Michael Crichton seinen als historischen Reisebericht getarnten Roman „Schwarze Nebel“ (orig. „Eaters of the Dead“), der im Großen und Ganzen eine Interpretation der Beowulf-Sage darstellt. Zwar gab es bereits gegen Ende der 70er Jahre Gerüchte um eine Verfilmung, konkretisiert wurde diese aber erst nachdem Steven Spielberg 1993 mit der Adaption des Crichton Bestsellers „Jurassic Park“ eine neue Ära des Films einläutete. Da Hollywood damals wie heute ein Freund scheinbar simpler Erfolgsrezepte ist, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Filmstudios nach dem Megaerfolg von „Jurassic Park“ um die Filmrechte zahlreicher Crichton-Romane stritten. So landeten die Rechte von „Schwarze Nebel“ beim Disney-Tochterunternehmen „Touchstone Pictures“, das den legendären Actionregisseur John McTiernan („Predator“, „Stirb Langsam“, etc.) 1997 damit beauftragte, Crichtons Wikingerepos auf die große Leinwand zu bringen.

Bagdad im 10. Jahrhundert: Intrigen am Hofe des Kalifen, lassen den Gelehrten Ahmad Ibn Fadlān in Ungnade fallen. Als Botschafter wird er nun in das Reich der Wolgabulgaren geschickt, eine Reise von der offensichtlich niemand mit einer Wiederkehr rechnet. In der Tat scheint diese auch ein rasches Ende zu nehmen, als eine Reiterschar von Tataren sich wie ein Sturm der Karawane von Ahmad nähert. Doch im letzten Moment machen diese kehrt als sich Drachenschiffe an der nahe gelegenen Wolga nähern. Als diese ihr Lager am Flussufer aufschlagen, schließt sich Ahmad, den auf ihn barbarisch wirkenden Nordmännern an, ohne zu wissen, dass diese Begegnung ihn einer noch größeren Gefahr aussetzen wird. Ein Sohn des legendären Königs Rothgar bringt Kunde aus dem hohen Norden, dass das Königreich seines Vaters von den mystischen Wendols heimgesucht wird und er dringend Beistand benötigt. Dreizehn Krieger sollen es sein, die es mit den monströsen Angreifern aufnehmen müssen, doch der Dreizehnte darf kein Nordmann sein und somit macht sich Ahmad mit zwölf fremden Wikingern auf den Weg gen Norden um den scheinbar sicheren Tod ins Auge zu sehen.

Ich muss sagen … ein von vielen unterschätztes Filmjuwel

Auch wenn „Der 13te Krieger“ 1999 an den Kinokassen phänomenal floppte, ist es nach wie vor ein Wunder, dass er nach zwei äußerst chaotischen Jahren Produktionszeit überhaupt in die Lichtspielhäuser kam und ein noch größeres Wunder, dass diesem Projekt ein großartiger Film entsprungen ist. Nachdem eine frühe Schnittfassung ein, angeblich nicht der Zielgruppe entsprechendes, Testpublikum nicht überzeugen konnte, bekam „Touchdown Pictures“ kalte Füße, ersetzte für die daraufhin folgenden Reshoots John McTiernan durch Michael Crichton und änderte den Titel von „Eaters of the Dead“ zu „The 13th Warrior“. Diese Reshoots machten den Film „schlanker“, sorgten aber auch dafür, dass einige Handlungsstränge im fertigen Film nur noch angedeutet sind oder gänzlich entfernt wurden. Vor kurzem sprach ich mit Sven-Ole Thorsen, ein Veteran zahlreicher McTiernan-Filme, und fragte ihn wieso er in diesem Film nur ein paar Sekunden im Hintergrund zu sehen ist. Als Antwort verwies er auf die Mysterien des Schneideraums; schließlich war er vier Wochen lang an den Dreharbeiten beteiligt. Dass das Endprodukt dennoch qualitativ hochwertig ist, hat viele Gründe. Allen voran weil der Großteil des Teams vor und hinter der Kamera mit viel Herzblut involviert war und die widrigen Umstände, wie etwa der klimatisch sowie geographisch herausfordernde Drehort in British Columbia, alle nur noch enger zusammenschweißten. Die Kostüme und Sets, wenn auch nicht historisch einwandfrei, wirken im Kontext des Films authentisch und erzeugen dadurch eine glaubhafte Welt, die von einem der besten Soundtracks aller Zeiten mit Pathos genährt wird. Ursprünglich arbeitete Graeme Revell an der Filmmusik, aber sein eher folkloristisch klingender Score erzeugte nicht den gewünschten Effekt. Die Entscheidung Jerry Goldsmith für die Komposition einer neuen Klangkulisse zu beauftragen gab dem „13ten Krieger“ sein Herz.

Ist der großartige Soundtrack das Herz des Films, so kann man mit Fug und Recht die Schauspieler als dessen Seele bezeichnen. Allen voran Antonio Banderas als der Protagonist Ahmad Ibn Fadlān, der seine Rolle mit einer unübertroffenen Hingabe spielt, und es einem unmöglich macht sich einen anderen Schauspieler als Ahmad vorzustellen. Der Film lebt großteils vom Zusammenspiel zwischen Banderas und Dennis Storhøi, dessen Charakter Herger der lateinischen Sprache mächtig und somit die Bezugsperson Ahmads in einer ihm fremden Welt ist. Beide Schauspieler haben eine offensichtlich gute Chemie und verleihen dem Film dadurch eine äußert sympathische Note. Sie sind auch jene Personen, durch deren Augen wir die Queste von Buliwyf (Beowulf) mitverfolgen. Der legendenumwobene nordische Streiter wird vom Tschechen Vladimir Kulich mit sehr viel Würde und Erhabenheit verkörpert. Im Gespräch mit den Akteuren zeigt sich, dass viele mit Stolz und Freude auf diese Produktion zurück blicken. Lediglich der Schauspielveteran Omar Sharif war vom „13ten Krieger“ dermaßen enttäuscht, dass er danach eine kurze künstlerische Pause einlegte.

Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

Auch wenn ich eines Tages gerne McTiernans „Eater of the Dead“-Schnittfassung sehen möchte, habe ich an Crichtons Version kaum etwas auszusetzen. Selbst die gegen Ende hin offenen Plotpunkte lassen sich innerhalb der Filmwelt erklären, während mich kleinere Fehler nicht stören, da hier das Positive in jedem Bereich überwiegt. Obwohl größtenteils geerdet, lassen sich in diesem Werk auch einige Horror- und Fantasyelemente finden. Ich gehe gar soweit zu behaupten, dass „Der 13te Krieger“ der letzte Film einer Ära von Low-Fantasy-Produktionen ist, die mit „Conan der Barbar“ 1982 ihren Anfang nahm und 2001 vom High-Fantasy-Stil der „Herr der Ringe“-Verfilmungen abgelöst wurde.

Wenngleich der „13te Krieger“ an den Kinokassen floppte und von der zeitgenössischen Kritik nicht sonderlich mit Lob überschüttet wurde, ist es umso erfreulicher, dass sich in den letzten Jahren eine kleine Fangemeinde bildete, die nach wie vor im Wachsen begriffen ist. Für mich war es ein prägendes Erlebnis den Film 1999 im Kino zu sehen. Seither lief er bei mir unzählige Male, in den unterschiedlichsten Heimkinovarianten, auf und ab, ohne dabei jemals seine Magie verloren zu haben. „Der 13te Krieger“ ist ein atmosphärisches Actionabenteuer mit Horror- und Fantasyelementen, das durch seine eindrucksvollen Bild- und Klangkulissen, sowie eine herausragende Besetzung überzeugt und meiner Meinung nach in seiner Gänze als ein nahezu perfekter Film zu werten ist - trotz oder vielleicht sogar aufgrund der Bewältigung sämtlicher Hindernisse hinter der Kamera. Daraus ergibt sich, ohne große Überraschung, dass „der 13te Krieger“ eines freitäglichen Filmabends würdig ist.
 
 

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