Gunan - König der Barbaren

Bewertung durch Thorsten  80% 
Durchschnittliche Bewertung 80%
Anzahl der Bewertungen 1

Forumseintrag zu „Gunan - König der Barbaren“ von Thorsten

20190122_101644_221977ff1a.jpg
Thorsten (17.05.2019 14:41) Bewertung
Auch wenn Gunan seine Muskeln spielen lässt, bleibt Conan der einzig wahre König der Barbaren
Eldritch Advice
Im Jahr 1982 blieb der internationalen Filmlandschaft keine Verschnaufpause vergönnt. Unmittelbar nachdem „Conan der Barbar“ die Kinokassen dieser Welt plünderte, standen bereits etliche Plagiate bereit, um den Wunsch des Publikums nach mehr „Conan“ zu befriedigen und dabei einen schnellen Gewinn zu machen. Einer der ersten „Sword & Sorcery“-Filme dieser Machart ist „Gunan – König der Barbaren“, eine italienische Produktion, in der Francesco Prosperi, der sein Handwerk unter dem grandiosen Mario Bava lernte, Regie führte. Für die Veröffentlichung des Films in den deutschsprachigen Kinos, im Mai 1983, entschied man sich dazu auf eine äußerst freche Art und Weise einen Bezug zu „Conan“ herzustellen. So unterlegte man den deutschen Trailer nicht bloß mit Melodien aus der originalen „Conan“-Filmmusik von Basil Poledouris, sondern nahm für die Vertonung des Protagonisten auch Thomas Danneberg, den deutsche Synchronsprecher von Arnold Schwarzenegger, unter Vertrag. Schon alleine deswegen lohnt es sich den Film in der deutschen Fassung zu genießen.

Im Dorf des Stammes der Solmen, erwartet Mevian voller Vorfreude die Geburt seines Sohnes. Laut einer Prophezeiung soll diesem der Name Gunan verliehen werden; ein Name unter dem er der Welt dereinst Frieden bringen wird. Wovon in dieser Prophezeiung allerdings nicht gesprochen wurde ist, dass Mevians Frau Zwillinge gebärt. Doch ehe die jungen Eltern sich diesem Mysterium widmen können, dringen Scharen von bewaffneten Reitern in ihr Dorf ein. Es sind die kriegerischen Ungat, die unter dem Befehl ihres rücksichtslosen Anführers Nuriak das Dorf der Solmen mit all seinen Menschen auszulöschen beginnen. Mevian schafft es Nuriak lange genug aufzuhalten um der Hebamme mitsamt seinen Neugeborenen die Flucht zu ermöglichen. Unter größten Anstrengungen gelingt es dieser die Zwillinge in Sicherheit zu bringen, als sie diese mit ihrem letzten Atemzug in das Gebiet der Kuniat, einem Stamm mächtiger und tapferer Kriegerinnen, schleppt. Im Wissen um die Prophezeiung nehmen die Kuniat beide Söhne Mevians auf und erziehen sie zu Kriegern. Doch nur einer von ihnen kann den Namen Gunan tragen und die Prophezeiung erfüllen.

Ich muss sagen … dieser Film ist barbarisch, im positiven Sinne.

Es ist bemerkenswert wie dieser Film die erzählerische Struktur von „Conan der Barbar“ kopiert, aber es ihm dennoch gelingt eine eigene Geschichte zu erzählen. Ganz in der Tradition des italienischen Exploitation Kinos, wurde auch bei „Gunan“ an allen Ecken und Enden gespart. Sowohl bei Kostümen als auch der restlichen Ausstattung ist dies klar ersichtlich. So spielt die Handlung ausschließlich in behelfsmäßig zusammengebauten Kulissen sowie der italienischen Natur. Da es sich allerdings um ein Low Fantasy Szenario handelt, trägt gerade dieser Aspekt zur glaubhaft dargestellten barbarischen Welt bei. Minuspunkte gibt es jedoch in Sachen Kampfchoreografie. Die kämpferischen Auseinandersetzungen in „Gunan“ setzen beim Publikum viel Fantasie und Milde voraus. Da hilft es auch nur wenig, dass man zu einigen cineastischen Tricks, wie etwa Zeitlupeneinstellungen, griff um diesen Mangel zu kaschieren. Zwar erfindet die Handlung das Rad nicht neu, aber weiß doch zu gefallen; insbesondere das Bruderduell um den Namen Gunan ist eine große Stärke des Films. Ein weiteres Highlight ist der Soundtrack von Roberto Pregadio. Der äußerst talentierte italienische Komponist ist vor allem für sein Wirken im Western bekannt und brachte diese Expertise auch in die barbarische Welt von „Gunan“. Er kreierte er eine äußerst interessante Mischung aus Western und Peplum und schuf damit einen Score der sowohl zwanglos als auch episch klingt.

Da die Präsentation von „Gunan“ sehr minimalistisch ausfällt und auch im Hintergrund nicht sonderlich viel passiert, war es umso wichtiger die richtigen Schauspieler für die jeweiligen Rollen zu gewinnen; ein gelungenes Unterfangen. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um oscarverdächtige Darbietungen, aber die Mitwirkenden agieren gekonnt und füllen dadurch die karge Welt Gunans mit Leben. Im Besonderen ist hierbei die Dynamik der konkurrierenden Zwillinge hervorzuheben, die von Pietro Torrisi und Giovanni Cianfriglia gespielt werden. Beide verfügen über das nötige Charisma einen Film als Protagonist zu tragen, doch ist es vor allem Torrisi, der seinen Weg zum Schauspiel über das Bodybuilding fand, der den Film mit seiner Präsenz an sich reißt. Wie es sich für einen guten italienischen Sword & Sorcery Film gehört, ist auch die wunderschöne Sabrina Siani ein Teil der Besetzung und darf die verfolgte Unschuld und das Love Interest für Gunan mimen. Doch Siani ist nicht die einzige Schönheit die es zu bestaunen gilt. Malisa Longo und Rita Silva sind ebenfalls ein Gewinn für diesen Film. Ebenso sehr wie Emilio Messina als der finstere Nuriak, der ein würdiger Gegenspieler für Gunan ist.

Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

Auch wenn Prosperi nie die Qualität seines Lehrers Mario Bava erreichen konnte, wusste er stets wie man mit einem kleinen Budget einen dennoch unterhaltsamen Film dreht. Mit „Gunan“ gelang ihm aus einem augenscheinlichen Nachteil einen Vorteil zu machen, indem er die karge Welt so wild und mysteriös wie möglich darstellte. Es ist eine Welt von der ich gerne mehr erfahren würde und wenn man dieses Gefühl in mir auslöst, so spreche ich von einem gelungenen Weltenbau. Das glaubhafte Low-Fantasy-Setting weiß es geschickt seine Schwächen zu verstecken. Allem voran seine lustlos wirkenden Kampfszenen, denen es an Spannung und visueller Erzählkunst fehlt.

„Gunan“ ist ein Film, der nur innerhalb seiner eigenen Welt Sinn ergibt; eine Welt die unerbittlich, weitläufig und wahrhaft barbarisch ist. Einen Comic Relief sucht man hier zum Glück vergebens, und er würde auch einfach nicht in diesen Film passen. Wobei sicherlich viele der Meinung sind, dass diese Produktion an sich, durch ihr geringes Budget und ihre minimalistischen Herangehensweise, ein Comic Relief ist. Ich selbst jedenfalls habe den Film durch und durch genossen und keinen Moment lang über ihn gelacht. Wer Barbarenfilme und italienische Exploitationfilme mag, wird auch an diesem Filmjuwel gefallen finden. Zwar kann sich Gunan nicht als König der Barbaren bezeichnen, den diesen Titel wird auf ewig hin der „Conan“-Film von 1982 tragen, zweifelsohne aber handelt es sich hierbei um einen wahrhaft guten Genrebeitrag, der sich nicht bloß eine bessere Home Media Veröffentlichung verdient, sondern darüber hinaus eines freitäglichen Filmabends würdig ist.
 
 

zum gesamten Filmforum von „Gunan - König der Barbaren“
zurück zur Userseite von Thorsten