The Hole in the Ground

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Forumseintrag zu „The Hole in the Ground“ von chrosTV

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chrosTV (11.05.2019 08:32) Bewertung
Ein Loch in unsere tiefsten Abgründe
Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
Wohl kaum ein anderes Filmstudio heutzutage gilt als so sicherer Qualitätsgarant wie die US-Amerikanische Independent-Produktionsschmiede A24. Im mehrfach preisgekröntem und zumeist von der Kritik gelobtem Oeuvre des Studios konnte man in den letzten Jahren mit Werken wie „The Witch“, „Green Room“, „It Comes At Night“ oder dem letztjährigen „Hereditary“ vermehrt auch originelle Horrorfilme entdecken, die einen ungewöhnlichen Spagat zwischen Genre-typischen Elementen und Arthaus hinlegten. Auch der ebenfalls von A24 produzierte Horror-Thriller „The Hole in the Ground“ des irischen Filmemachers Lee Cronin würde in diese Kategorie fallen.

Die Handlung des Films ist in einer irischen Kleinstadt angesetzt. Im Mittelpunkt steht die Mutter Sarah (Seána Kerslake), die gemeinsam mit ihrem jungen Sohn Chris (James Quinn Markey) in die besagte Kleinstadt am irischen Land zieht, um einen Neustart - fernab ihrer traumatischen Vergangenheit – anzufangen. Als der Sohn in Folge eines Streits eines Tages in Richtung eines nahegelegenen Waldes rennt, findet sie dort nicht Chris vor, sondern ein riesiges Loch im Boden. Doch plötzlich kehrt er nur kurze Zeit später völlig unversehrt wieder zurück nach Hause. Da der Junge nach für nach ein immer seltsamer werdendes Verhalten an den Tag legt, ist sich Sarah schon bald sicher: bei diesem Kind handelt es nicht um den wirklichen Chris.

Regisseurin Cronin hat hier ein hochspannendes wie auch thematisch interessantes Spielfilm-Debüt hingelegt, das besonders auf technischer Ebene punkten kann. Durch wunderbar triste Aufnahmen und einem überaus anspannenden Sounddesign gelingt es dem Film ein effektives Gefühl der Beklemmung zu kreieren, das sich durch die gesamte Lauflänge von 90 Minuten hindurchzieht. So schafft es der Thriller auch, sich einen in die Haut der Protagonistin versetzen zu lassen, als diese nach für nach von ihrem vermeintlichen Sohn in den Wahnsinn getrieben wird und ihr Realitätsgespür zu verlieren scheint. Dazu tut Seána Kerslake, die eine mehr als nur solide Schauspielleistung abliefert und vor allem in der ersten Hälfte viel Arbeit zu leisten hat, ihr übriges. Ebenso überzeugen kann Jungschauspieler James Quinn Markey, der in der Rolle des Sohnes (?) Chris eine wirklich unheimliche Figur abgibt. Besonders in einer beklemmenden Szene während einer Schulaufführung kreiert dessen alleiniges Auftreten eine wahrlich beängstigende und unheilverkündende Präsenz. Abgerundet wird der Cast von Altgesteinen wie James Cosmo und Kati Outinen, die als älteres Ehepaar mit tragischer Vergangenheit einen wichtigen Grundstein für den Verlauf der Handlung legen.

Die Story des Films kann jedoch auch auf metaphorischer Ebene betrachtet werden. So kann das skurrile Verhalten, welches der Sohn der Protagonistin nach dem Verschwinden im Loch, an den Tag legt, unter anderem auch als Allegorie darauf aufgefasst werden, wie unsere Hauptfigur mit den Nachwehen ihres eigenes Traumas zu ringen hat. Leider gerät das Werk gegen Ende etwas zu sehr in eine gewisse Erklär-Lust, die den zuvor aufgebauten Interpretationsraum etwas einschränkt.

Generell können auch die Horror- und Schockmomente nicht stets überzeugen. Ausgerechnet in welchen der intensivsten Szenen driftet der Film etwas zu oft in Genre-typische Tropen wie Jumpscares ab, die die sonst so fein exerzierte Suspense durchbrechen und auch an Wirkung berauben.

Nichtsdestotrotz bleibt hier am Ende des Tages ein weitestgehend origineller, versiert inszenierter, streckenweise subversiver und nicht zu selten erschreckender Horror-Beitrag über, der Genre-Fans, die sich auf der Suche nach kleinen Perlen befinden, definitiv zu empfehlen sei.

Take a trip down this hole!
 
 

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