To the Night

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Forumseintrag zu „To the Night“ von belzebub

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belzebub (26.03.2019 20:35) Bewertung
„Vom Feuer verzehrt“
Exklusiv für Uncut von der Diagonale
Norman (Caleb Landry Jones), ein von Kindheitstraumata geplagter junger Künstler, lebt mit seiner Freundin (Eleonore Hendricks) und ihrem gemeinsamen Baby in einer verlassenen Lagerhalle in New York. Immer wieder kommen die Erinnerungen zu jener Brandkatastrophe, die sein Leben für immer gezeichnet hat hoch. Getrieben von seinen inneren Dämonen versucht er beinahe fanatisch mit seiner Vergangenheit, sowohl künstlerisch als auch körperlich abzuschließen und bringt so nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen in Gefahr.

Zwischen gelegentlichen Lichtblicken scheinbarer familiärer Harmonie dreht sich Normans Leben einer Abwärtsspirale gleichend immer tiefer zwischen Vernachlässigung seines Sohnes, Gewalt gegen seine Freundin und Obsession mit seiner Kunst und der damit verbundenen Vergangenheit. Dazu kommen noch Freunde, die ihr Leben ebenfalls nicht in den Griff zu bekommen scheinen und schlechte Einflüsse in seinem Milieu durch Medikamente, Alkohol und exzessive Feiern. Trotz seiner Bemühungen und seines im Grunde freundlichen Wesens bleibt stets die Angst, wann das Pulverfass Norman die nächste Episode seines vergangenen Traumas erlebt. Am Ort der Katastrophe – seinem Elternhaus – versucht er, mit den Erlebnissen abzuschließen, bis es schließlich zum Unausweichlichen kommt.

Regisseur Peter Brunner schafft mit seinem dritten, diesmal englischsprachigen Langfilm den Sprung über den Teich nach New York City, und kann mit herausragenden schauspielerischen Leistungen, insbesondere von den zwei Hauptfiguren, gespielt von Caleb Landry Jones (bekannt aus „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und „Get Out“) und Eleonore Hendricks („Heaven Knows What“), glänzen. In einer Nebenrolle ist unter anderem auch Abbey Lee („Mad Max Fury Road“ und „The Neon Demon“) zu sehen. Durch die Regie- und Kameraarbeit taucht man in die Psyche und den alltäglichen Kampf des Protagonisten ein, der eine nervenaufreibend unberechenbare Gratwanderung zwischen gelegentlicher Sympathie und schlichtem Wahnsinn vollzieht. Norman bleibt ein Protagonist, der eigentlich keiner ist – ein junger, erfolgloser Künstler, der sein Umfeld durch seine egozentrische Selbstzerstörung und auf der Suche nach einer Katharsis selbst zu dem Feuer wird, das einst sein Leben so entscheidend veränderte.

„To the Night“ ist eine langsam erzählte Charakterstudie eines gezeichneten jungen Mannes, der obsessiv versucht mit seiner Vergangenheit abzuschließen und dabei zu sehr die Gegenwart aus den Augen verliert. Definitiv kein Feel-Good-Cinema mit herkömmlicher Struktur, aber durch die schauspielerischen Leistungen und die Kameraarbeit definitiv einen Blick wert!
 
 

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