Greta

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MrsBlonde (16.05.2019 20:49) Bewertung
Wenn Besessenheit zur Gefahr wird
Exklusiv für Uncut
Der irische Regisseur Neil Jordan – vor allem bekannt durch seine Filme aus den 90ern, wie „Interview mit einem Vampir“ oder „The Crying Game“ - meldet sich nach sechsjähriger Pause mit „Greta“ zurück. In seinem neuesten Werk treffen Isabelle Huppert und Chloë Grace Moretz aufeinander, die sich in einem nervenaufreibenden Thriller ein Katz-und-Maus-Spiel der besonderen Art liefern.

Die junge Kellnerin Frances McCullen (Chloë Grace Moretz) trifft auf die alleinlebende Greta Hideg (Isabelle Huppert), nachdem sie deren in der U-Bahn zurück gelassene Tasche findet und an ihre Besitzerin retourniert. Die beiden freunden sich schnell an und es entwickelt sich eine Art Mutter-Tochter-Beziehung - was nicht verwunderlich ist, da Frances Mutter zwei Jahre zuvor starb und Gretas Tochter im Ausland lebt. Schnell wird Frances jedoch klar, dass Greta ihr etwas verheimlicht. Die anfängliche Freundschaft triftet immer mehr in eine unnatürliche Obsession ab. Als Frances daraufhin den Kontakt zu Greta abbricht, lässt diese das jedoch nicht zu…

Die Stärke von „Greta“ stellt ganz klar das Casting von Isabelle Huppert als Greta dar, die in einer für sie seltenen englischsprachigen Produktion zu sehen ist. Nachdem man sie schon in so manch schrägen Rolle erlebt hat – man erinnere sich an „Die Klavierspielerin“ von Michael Haneke oder „Elle“ von Paul Verhoeven – erreicht sie mit „Greta“ nochmal eine höhere Stufe an Skurrilität. Gerade als Gegenpol zu Chloë Grace Moretz‘ Charakter funktioniert das Schauspieler-Duo ganz gut, wenn auch Moretz‘ Schauspielstil an mancher Stelle etwas übertrieben wirkt. Überzeugen kann wiederum Maika Monroe in der eher gering gehaltenen Rolle der besten Freundin.

Die Konzentration auf die psychologische Motivation der Charaktere ist sicherlich ein weiterer Pluspunkt des Films. Der Einstieg in die Handlung gelingt ebenfalls, wobei hier gerade der gelungene Aufbau von Spannung zu erwähnen wäre. Diese nimmt dann aber im Laufe des Films leider ab, was vor allem einer inkonsistenten Dramaturgie geschuldet ist, die so einige Hänger aufweist.

Interessant erscheint Jordans Einsatz von Musik: die starke Konzentration auf ein Musikstück von Franz Liszt, „Liebesträume“, welches Greta immer wieder auf dem Klavier spielt, sowie ein sehr abwechslungsreicher Soundtrack, aber auch der starke Tonschnitt – der vor allem bei den Jumpscares zur Geltung kommt – lässt „Greta“ auch auf auditiver Ebene überzeugen.

Alles in allem betrachtet, handelt es sich dennoch um einen eher mittelmäßigen Thriller, der manchmal ins Horrorgenre abgleitet (der exzessive Einsatz von Jumpscares hat mich dann manchmal auch regelrecht aus der Handlung geworfen), nichtsdestotrotz aber, gerade in der ersten Hälfte, eine sehr starke, klaustrophobische Atmosphäre erzeugt. Fans von Isabelle Huppert ist der Film auf jeden Fall zu empfehlen, die in der Rolle der Greta wieder einmal beweist, warum sie zu den besten Schauspielerinnen Frankreichs zählt.
 
 

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