Angelo

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Forumseintrag zu „Angelo“ von Pramberger


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Pramberger (28.10.2018 07:36) Bewertung
Auch Engel können stürzen
Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
Der Film „Angelo“ von Filmemacher Markus Schleinzer zeigt das Leben der namensgebenden Titelfigur in drei Kapiteln unterteilt; als kleiner Junge, erwachsener Mann und alter Greis. Zu Beginn wird Angelo aus einer Reihe schwarzer Jungen ausgewählt, die von Afrika mit kleinen Schiffen an einem Strand in Europa ankamen. Er wird neu eingekleidet, getauft und in Sprache und Musik ausgebildet. Schnell zeigt sich, dass er ein musikalisches Talent hat und auch schon bald Aufführungen vor Mitgliedern des Hofes abhalten kann. Er wird zum Aushängeschild seiner Ziehmutter, der Comtesse.

Als nächstes wendet er sich der Schauspielkunst zu und trägt, nun schon als erwachsener Mann Erzählungen über fremde Länder zum Besten. Auch in diesem Metier begeistert er die Menschen in seiner Umgebung und selbst der Kaiser wird auf ihn aufmerksam und sucht immer wieder das Gespräch mit ihm. Doch gerade die Gespräche mit dem Kaiser treiben Angelo dazu seine mittlerweile hohe und angesehene Stellung zu überdenken. Er fühlt sich zusehends unwohl und versucht aus dem Leben am Hofe auszubrechen.

Der Film schafft es ohne weiteres mit seinen Settings bestimmte Gefühle im Zuschauer hervorzurufen. So ist das erste Kapitel, in dem Angelo in den Räumlichkeiten der Comtesse ausgebildet wird, gezeichnet von Dunkelheit und Isolation. Man fühlt mit dem kleinen Jungen mit, der entrissen aus seiner Heimat, verängstigt in den dunklen Räumlichkeiten wie gefangen scheint. Einzig ein paar Lichtblicke gibt es, wenn man Sonnenstrahlen durch Fensterscheiben dringen sieht. Gerade diese Szenen erzeugen aber umso stärker den Wunsch nach Freiheit.

Im zweiten Kapitel kommt er dann endlich an die frische Luft und mit anderen Menschen in Berührung. Doch hier entstehen, wie gesagt, die eigentlichen Probleme. An dem Punkt an dem Angelo die Außenwelt mehr und mehr kennen lernt wird sein Drang nach Freiheit, Identität und Selbstbestimmung immer größer und diese Dinge sind wiederrum mit seinem festgeschriebenen Platz am Hofe nicht vereinbar. Außerdem ist er zwischen zwei Welten hin und hergerissen. In einem Gespräch mit dem Kaiser sagt er deshalb einmal er sei ein Sohn Afrikas, aber ein Mann Europas.

Die Gespräche zwischen dem Kaiser und Angelo sind es letztlich, die fortwährend Fragen aufwerfen auf welche keiner von beiden befriedigende Antworten parat hat. So fragt sich der Kaiser z.B. selbst wann man eigentlich frei ist und ob eine hohe Stellung einem nicht zum Diener von vielen macht. Ein Film der generell viele Fragen aufwirft und auch Verbindungen zu unserer heutigen Gesellschaft zieht. Viele wichtige Themen werden angesprochen und dabei durch Kamera und Bühnenbild äußerst ansehnlich in Szene gesetzt. Die Bilder wirken oftmals selbst wie Gemälde alter Meister und auch die schauspielerischen Leistungen sollen an dieser Stelle gelobt werden. „Angelo“ ist ein Werk das unterhält und dabei über unsere Gesellschaft und unser Handeln nachdenken lässt.
 
 

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