X-Men: Dark Phoenix

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Forumseintrag zu „X-Men: Dark Phoenix“ von chrosTV

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chrosTV (06.06.2019 08:42) Bewertung
Enttäuschender Abschluss einer sonst gelungenen Superhelden-Saga
Exklusiv für Uncut
Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, als Superhelden-Filme am Hollywood-Markt noch kaum von großer Bedeutung waren und es sich bei der (auf den gleichnamigen Marvel-Comics basierenden)„X-Men“-Reihe lediglich um EINE abgeschlossene Trilogie handelte.

Nachdem durch die Eröffnung des „Marvel Cinematic Universe“ im Jahre 2008 Heldengeschichten immer salonfähiger wurden und langsam aber sicher Einzug in den breiten Mainstream fanden, gewann das Subgenre von Jahr zu Jahr an Relevanz am aktuellen Kinomarkt. Auch das (bis vor kurzem) von 20th Century Fox besessene „X-Men“-Franchise wollte natürlich ein Stück vom Erfolgskuchen abbekommen und weitete seine einstige Trilogie auf mittlerweile insgesamt 12 Filme (inklusive der beiden „Deadpool“-Teile) aus. Darunter befindet sich ein buntgemischter Haufen an hoch populären („Days of Future Past“, „Logan“) wie auch verhassten Beiträgen („Origins: Wolverine“, „The Last Stand“). Mit „X-Men: Dark Phoenix“ läuft diese Woche der insgesamt zwölfte Eintrag ins Franchise weltweit in den Kinos an. Zur selben Zeit stellt dieser auch den siebten Teil der „X-Men“-Hauptreihe dar und soll diese nun auch endgültig zu Ende bringen.

Während die drei vorangegangenen Prequel-Filme zeitlich jeweils während der 60er-, 70er- und 80er-Jahre angesetzt waren, spielen sich die Ereignisse von „Dark Phoenix“ (Wie kann es auch anders sein?) in den Neunzigern ab. Der Hauptfokus liegt diesmal auf Mutantin Jean Grey („Game of Thrones“-Star Sophie Turner), die bei einem gefährlichen Einsatz der X-Men eine Sonneneruption absorbiert und dadurch gewaltige neue Kräfte erhält. Da sie ihre neugewonnene Macht (auch bekannt als „Phoenix Force“) nur schwer unter Kontrolle bekommt, fängt sie bald an, diese für schädliche Dinge einzusetzen. Als sie dann auch noch von der außerirdischen Formwandlerin Vuk (Jessica Chastain) für böse Zwecke ausgenutzt wird, werden die restlichen X-Men rund um Anführer Charles „Professor X“ Xavier (James McAvoy), Mystique (Jennifer Lawrence), Cyclops (Tye Sheridan) aber auch Magneto (Michael Fassbender) vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt:

Sollen sie das Leben ihres ehemaligen Schützlings auslöschen oder das Risiko eingehen, potentiell das gesamte Universum in Gefahr zu bringen?

Inszeniert wurde das Ganze dieses Mal von Simon Kinberg, der zuvor bereits an drei Drehbüchern der „X-Men“-Reihe mitarbeitete, und hiermit sein Regiedebüt abliefert. Kinberg ersetzt dabei Regisseur Bryan Singer, der gesamt bei vier Filmen der Reihe im Regiesessel Platz nahm, nun aber wegen zahlreichen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zurecht das Zepter abgeben musste.

Nach „X-Men: The Last Stand“ widmet sich der finale Teil der Hauptreihe einmal mehr der beliebten „Dark Phoenix“-Storyline. Dies ist insofern plausibel, da der 2014 erschienene „Days of Future Past“ die Ereignisse des vorhin erwähnten „The Last Stand“ ungeschehen machte.

Tatsächlich funktioniert der Film auch am besten, wenn er sich auf die Figur der Jean Grey und deren Bewältigung ihrer gefährlichen Mächte konzentriert. Der innere Konflikt, den die Protagonistin hier auszubaden hat, ist zweifelsohne die große Antriebskraft des Films und wird zu Beginn von einer effektiv erzählten Rückblende eingeleitet, die das spätere Trauma des Charakters bereits geschickt anteasert. Lob gebührt zudem Hauptdarstellerin Sophie Turner, der es gelingt, die emotionale Zerrissenheit von Jean Grey, als diese nach für nach von unkontrollierbaren Mächten überrumpelt wird, mit rauer Emotion überzeugend auf die Leinwand zu bringen.

Jedoch weiß der Film leider nur zu funktionieren, wenn er den Fokus auf seine Protagonistin setzt und deren komplexes Gefühlsleben als Charakterdrama abarbeitet. Tatsächlich handelt es sich beim Rest des Films nämlich um eine herbe Enttäuschung, die nicht wirklich zu wissen scheint, was sie denn eigentlich überhaupt sein möchte.

Ehemalige wichtige Charaktere werden sprunghaft inmitten des Plots befördert ohne schlussendlich wirklich aktiv am Geschehen teilzunehmen, Actionszenen geraten durch ein unübersichtliches Schnitt-Massaker völlig außer Fokus und Computereffekte haben im Blockbusterkino der letzten Jahre selten so plastisch und unecht ausgesehen wie hier. Anstatt am interessanten Charakterdrama, das von der Hauptfigur ausgeht, festzuhalten, verzettelt sich der Film in zahlreiche uninteressante und störende Elemente, die letztendlich kaum irgendwo hinführen. Zumal der Film mit einer erstaunlich schwachen Jessica Chastain eine nahezu lächerliche Antagonistin zu bieten hat, deren Motive und Ziele man bereits kurz nach dem Verlassen des Kinosaals vergessen haben dürfte.

Nichtsdestotrotz schafft es der Großteil der talentierten Darstellerriege immerhin einzelne Unzulänglichkeiten mit gutem Schauspiel zu kaschieren – allen voran James McAvoy, Michael Fassbender und Nicolas Hoult, die ein Maximum aus dem überaus banalen und expositionslastigen Dialog des Films rausholen konnten. Lediglich Jennifer Lawrence kann man in ihren Szenen sichtlich ansehen, dass sie offenbar keine Lust mehr auf ihre Rolle der Formwandlerin Raven Darkhölme alias Mystique hatte und deshalb weitestgehend durch den Film schlafwandelt.

Am Ende des Tages bleibt mit „X-Men: Dark Phoenix“ ein Werk, das durch seine stärksten Einzelteile zwar noch gerade so ins Mittelmaß gehoben werden kann, als Abschluss einer ehemals glorreichen Superheldensaga jedoch alles andere als zufriedenstellend ist.

Eine vielerorts heraufbeschworene Vollkatastrophe ist zwar ausgeblieben, dennoch verleiht dieses halbgare und chaotisch erzählte Werk der gesamten „X-Man“-Reihe einen sauren Beigeschmack, den ein so reichhaltiges Superheldenuniversum definitiv nicht verdient hat. Schade drum!
 
 

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