Licht
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Forumseintrag zu „Licht“ von newhorizon
Auszug aus dem Forum des Films „Licht“:
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Vertane Chance
Maria Theresia Paradis hat eine spannende Biografie: Sie erblindete als sie etwa drei Jahre alt war, erhielt aber später von mehreren damals bekannten Musikgrößen in Wien (unter anderem auch von Antionio Salieri welcher auch Lehrer von Beethoven, Schubert oder Liszt war) eine umfassende musikalische Ausbildung. Noch in jungen Jahren gab sie zahlreiche Konzerte und spielte u.a. für Joseph Haydn und Mozart Klavierkonzerte. Sie traf auf ausgiebigen europäischen Konzertreisen den Sohn Bachs (Carl Philipp Emanuel) in Hambrug oder Marie-Antoinette in Paris. Darüber hinaus komponierte sie selbst u.a. 2 Klavierkonzerte, 12 Klaviersonaten, ein Klaviertrio, sowie mehrere Bühnen- und Vokalwerke.
Das Zusammentreffen mit Franz Anton Mesmer war dabei nur eine relativ kurze Episode.
Mesmers Leben war kaum weniger interessant: Er studierte u.a. Mathematik, Philosophie, Physik, Jura und Medizin, wobei es ihn später zu Gravitationstheorien, Ferromagnetismus oder Elektrizität hinzog. Er begann Magnettherapien durchzuführen, womit er auch durchaus Erfolg hatte. Schnell war er aber ebenso eine umstrittene Persönlichkeit: von manchen bewundert, von anderen (wie vor allem Medizinern) angefeindet. Er hatte seinen vorübergehenden Wohnsitz in mehreren Ländern bzw. Regionen und schaffte es für kurze Zeit einen Reichtum mittels französischer Staatspapiere anzuhäufen welche aber durch die Revolution entwertet wurden. Seine Lehren hatten später großen Einfluss auf mehrere Bereiche der Psychologie (wie etwa Psychoanalyse, Hypnose, Suggestionstherapie,…)
Sicherlich mag es spannend sein das Zusammentreffen der Beiden in eine Geschichte zu bringen, wobei es sich dabei konkret um den im Jahr 2010 veröffentlichten Roman von Alissa Walser handelt, auf den das Drehbuch des Films beruht. Das kann man so machen. Aber es ist schade, wenn zwei so spannende Persönlichkeiten auf diesen kleinen Lebensabschnitt reduziert werden. Man könnte den Eindruck gewinnen, Paradis war einfach nur irgendeine blinde Laienmusikerin und Mesmer irgendein Scharlatan der an ihr herumexperimentierte.
So ist der Fokus ausschließlich auf die Situation der Therapie gerichtet. Ein blinder Mensch hoffend auf Heilungschancen, durchzog sich Fehlbehandlungen, machte Fortschritte bei einem umstrittenen Wunderheiler und wurde zugunsten einer Pianistenkarriere doch wieder vom Vater aus der Therapie genommen. Unausgesprochen und doch deutlicher Rückschluss: Ist sie als sehende Pianistin noch immer dieser Besuchermagnet? Es wird klar, der Autorin ging es nicht um die spannenden Persönlichkeiten sondern um das damals noch viel stärker vorherrschende Patriarchat, Klassendenken, sowie Karriereantrieb vor Lebensqualität.
Devid Striesow (als Mesmer) und Maria Dragus (als Paradis) retten dabei den Film um nicht vor allzu kleinteiliger Rokoko-Tragödie mit einigen kaum aussagekräftigen Leerläufen zu einem beliebigen Kostümfilm zu verkommen. Ihre Darstellungen sind hier eindeutig der Mehrwert. Was die darin enthaltende Gesellschaftskritik anbelangt erinnert dieser Film mich etwas an Corsage, aber im Gegensatz dazu muss man „Licht“ positiv zugutehalten, dass man sich hier um eine authentisch, historische Lebenswelt bemüht hat und nicht mit grotesker Effekthascherei moderne Elemente wie Lichtschalter und Türklingeln mit einbaute.
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von newhorizon



