Back for Good

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Forumseintrag zu „Back for Good“ von chrosTV

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chrosTV (14.02.2017 09:07) Bewertung
Empathisches Portrait einer Skandalnudel
Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2017
Blond, aufmerksamkeitshaschend, am Busen operiert: Auf dem ersten Blick scheint die Anfang 30-jährige Angie ein Paradebeispiel für einen Z-Promi zu sein. Nach der Teilnahme an mehreren Reality TV-Shows und ihrer Entlassung aus einem aus PR-Gründen absolvierten Drogenentzug, erhofft sie sich die Erfüllung eines großen Traumes: Kandidatin im Dschungelcamp zu sein. Um sich bis dahin finanziell über Wasser zu halten, beschließt sie wieder bei ihrer Mutter Monika und Schwester Kiki einzuziehen. Da Kiki an einer Form von Epilepsie erkrankt ist, lässt ihre Mutter sie nicht mehr aus den Augen, weswegen es bei ihr an sozialen Kompetenzen mangelt und sie von ihren Mitschüler gemobbt wird. Als Angie versucht ihrer Schwester dabei zu verhelfen unabhängiger zu werden, gerät sie mit ihrer Mutter, die sie als schlechten Umgang betrachtet, in Konflikt und wird an ihre eigene Jugend erinnert. Mia Sprengler gelang mit ihrem Debütwerk „Back for Good“ ein packendes Familiendrama, das größtenteils auf Klischees verzichtet.

Man hätte es sich leicht machen können und Protagonistin Angie dem Stereotyp entsprechend als dummes Blondinchen mit Hang zu Selbstdarstellung porträtieren können. Zum Glück verzichtete man auf diese faule Herangehensweise und schrieb ihren Charakter als komplexe junge Frau mit Ecken und Kanten. Hauptdarstellerin Kim Riedle gelang es dabei mit Bravour sowohl die toughe und skandalheiße Seite Angies als auch ihre verletzliche und humane Ader auf den Punkt zu bringen. Letztere kommt vor allem in den Dialogszenen, in denen Angie versucht sich ihrer Schwester Kiki anzunähern, zum Vorschein und gibt dem Drama eine menschliche Komponente.

Die Porträtierung ihrer Figur untermauert den allseits bekannten Spruch: „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband.“ Vor den Kameras gibt sich Angie zwar als verspielte Skandalnudel, dahinter steckt jedoch eine von Minderwertigkeitskomplexen geplagte junge Dame mit einem Löwenherz. Verstärkt wird der ganze menschliche Charakter des Films von einer bodenständig gehaltenen Inszenierung, die dem Ganzen Charme und Seele verleiht. Einzig problematisch fand ich Juliane Köhlers stark überzeichnetes Porträt der überfürsorglichen Mutter Monika, die unter den sonst so fein ausgearbeiteten Charakterzeichnungen fehl am Platz wirkte. Alles in allem lässt sich jedoch sagen, dass Filmemacherin Mia Sprengler mit „Back for Good“ ein zugleich unterhaltsames wie auch emotional mitreißendes Familiendrama gelungen ist, dessen Message für mehr Menschlichkeit besonders in heutigen Zeiten vielen Personen nahegelegt werden sollte.
 
 

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