Die Oscarnominierungen 2019 stehen fest.

Experimenter

Bewertung durch Josko  75% 
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Forumseintrag zu „Experimenter“ von Josko

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Josko (06.11.2015 04:19) Bewertung
Die Gehorsamkeit der Menschen
Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
Biopics von Wissenschaftlern erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Bei den letztjährigen Oscars wurden zwei solcher sogar ausgezeichnet. „Imitation Game“ und „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ hatten mit Alan Turing und Stephen Hawking zwei Wissenschaftler, die in ihren jeweiligen Gebieten – also der Physik und der Informatik – zu den wichtigsten ihrer Zeit gehören. Stanley Milgram war zweifellos auch einer der berühmtesten Vertreter seiner Wissenschaft, nämlich der Psychologie. Vor allem sein Gehorsamkeits-Experiment findet man wohl in jedem Lehrbuch der Sozialpsychologie. Der Film setzt mit dem ersten Experiment dieser Art ein und lasst einen an verschiedenen Stationen Milgrams Lebens teilhaben.

Das Privatleben nimmt von Stanley Milgram (Peter Sarsgaard) nimmt einen wichtigen Teil des Filmes ein. Obwohl stets mit seiner Frau (Winona Ryder) verheiratet geblieben, war die Ehe nicht vor Krisen gefeit. Die stereotype Art, dass ein Psychologe auch während alltäglichen Interaktionen sich nicht vor seiner analytischen Position verabschieden kann, wird hier wahrhaftig auf die Leinwand gebracht.

Die Erzählung wird oft durch eine Brecht’schen Rede an die Zuschauer – also in die Kamera – unterbrochen. Milgram erzählt uns das Geschehene genauer, führt in seine Sicht der Dinge ein. Währenddessen kann es schon einmal vorkommen, dass hinter ihm ein Elefant vorbeischlendert. „There is an elephant in the room“ – das Sprichwort wird hier zur Versinnbildlichung dessen, was Milgram Zeit seines Lebens angetrieben hat: Die ignorierte Wahrheit sichtbar zu machen.

1976 wurde ein TV-Film über das Milgram-Experiment mit William Shatner in der Hauptrolle gedreht. In „Experimenter“ wird dieser als Film im Film, indem die Realität und Fiktion ineinander verschwimmen, dargestellt. Die die klassische Erzählung unterlaufenden Momente sind die stärksten des Filmes. Die konventionellen Szenen sind keineswegs schlecht inszeniert, aber erinnern stets daran, was der Film alles sein könnte. „Experimenter“ traut sich viel, hätte sich aber durchaus noch mehr erlauben können, um ein richtig außergewöhnlicher Werk zu werden.
 
 

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