Avengers: Endgame

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Forumseintrag zu „Avengers: Endgame“ von chrosTV

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chrosTV (30.04.2019 15:54) Bewertung
Eine Ära geht zu Ende
Exklusiv für Uncut
Was Produzent Kevin Feige mit dem sogenannten Marvel Cinematic Universe über Jahre hinweg aufgebaut hat ist einzigartig in Hollywood. Ein filmisches Universum voller Superhelden aus Marvel-Comics zu kreieren, deren Geschichten in episodenhafter Erzählweise nach für nach ineinander übergehen, klang zunächst noch einer risikoreichen Schnapsidee. Trotz aller vorangegangenen Zweifel ging das wagemutige Konzept auf und mittlerweile gilt das MCU sogar als das finanziell erfolgreichste Franchise der Filmgeschichte. Leute, die nie zuvor einen Comic in der Hand hielten, stürmten plötzlich voller Aufregung in die Kinos um sich die neuesten Abenteuer zuvor kaum bekannter Comic-Charaktere wie „Ant-Man“, „Doctor Strange“ oder den „Guardians of the Galaxy“ auf der großen Leinwand anzuschauen. All das, was über die letzten elf Jahre hinweg im Marvel-Universum aufgebaut und etabliert wurde, gipfelt nun im langersehnten Kino-Spektakel „Avengers: Endgame“, der ersten Prognosen zufolge James Camerons „Avatar“ als umsatzstärkster Film aller Zeiten ablösen könnte. Einmal mehr nahmen im Regiestuhl die Brüder Anthony und Joe Russo Platz, die mit „Captain America: The Winter Soldier“ (2014), „Captain America: Civil War“ (2016) und „Avengers: Infinity War“ (2018) bereits drei der populärsten Einträge ins MCU zu verantworten hatten.

„Endgame“ setzt unmittelbar nach den erschütternden Ereignissen des Vorgängerfilms an. Nachdem Widersacher Thanos am Ende des letztjährigen „Infinity War“ die Hälfte der Erdbevölkerung zu Staub zerfallen ließ, wurde die Besatzung der Avengers auf ein Minimum reduziert. Die überlebenden Mitglieder (u.A: Iron Man, Captain America, Thor, Hulk, Black Widow und Waschbär Rocket) müssen nun also einen Plan aushecken, um sich an Thanos für dessen Taten zu rächen.

Je weniger man im Vorhinein über den Plot von „Avengers: Endgame“ weiß, desto besser. Nicht umsonst wurde im Marketing Wert darauf gelegt kaum Details über den eigentlichen Storyverlauf des 22. MCU-Streifens preiszugeben und selbst die beiden Regisseure haben sich in sozialen Medien vehement dafür eingesetzt, vor potentiellen Spoilern zu warnen.

Es darf an dieser Stelle gesagt werden, dass sich die Geduld der Fans auf alle Fälle ausgezahlt hat: Mit „Endgame“ haben die Russo-Brüder nämlich nicht nur das MCU in der Form, in der wir es kennen, zum Abschluss gebracht, sondern zur selben Zeit auch das vermutlich rundum gelungenste Werk im gesamten Marvel-Kosmos abgeliefert.

Während „Infinity War“ sein Augenmerk noch auf effektgeladenes Bombast-Kino setzte (der Meinung des Autoren nach oft zum Nachteil des Films), geht es bei „Endgame“ weitestgehend erstaunlich ruhig zur Sache. Ein jeder der ProtagonistInnen wird ein innerer Konflikt zu Teil, den er oder sie auszubaden hat. Dabei gelingt dem Film - im Gegensatz zum Vorgänger – der Drahtseilakt jedem auftretenden Charakter genügend Screentime zu schenken, um ihnen ein ausreichendes Maß an Tiefe abzugewinnen. So werden selbst Figuren wie Hawkeye oder Ant-Man, die bisher eher blass und eindimensional daherkamen, zu interessanten und vielschichtigen Figuren gemacht. Andere Figuren wie Thor dienen hier wiederum in erster Linie dem Comedy-Relief, was sich über die meiste Zeit hinweg aber auch als absoluter Glückstreffer erweist. Allgemein findet der Film eine gesunde Balance zwischen juveniler, aber hoch unterhaltsamer Komik und ernstzunehmendem Charakter-Drama.

Die eigentliche Geschichte schlägt oft überraschend komplexe Wege ein, die auf clevere Art und Weise narrativ verschachtelt wurden. Dabei kommen zwar auch Fanservice und Nostalgie nicht zu kurz, jedoch wurden diese Momente sparsam und selbstironisch genug eingesetzt, sodass sogar diese ihren Zweck vollkommen erfüllen und kaum störend daherkommen.

Selbst Fans der Sitcom „Community“, für die die Russo-Brüder einst zahlreiche Episoden inszeniert hatten, werden hier mit einem Schmankerl belohnt. Nachdem die Russos bereits in ihren vorangegangenen MCU-Ausflügen ehemalige Darsteller der Serie mit Kurzauftritten unterbringen konnten, darf man auch hier wieder nach dem ein oder anderen Cameo Ausschau halten.

Auch auf ästhetischer Ebene kann der Film größtenteils überzeugen. Auf den monotonen Grau-in-Grau-Look, der sonst in vielen Werke des MCU zum Einsatz kam, wird hier weitestgehend verzichtet und dem Zuschauer ein farbenfrohes Spektakel geboten, das erst gegen Ende in eine CGI-Materialschlacht ausartet.

So lässt sich zusammengefasst sagen, dass Kevin Feige, den Russo-Brüdern und sämtlichen Beteiligten mit „Avengers: Endgame“ ein mehr als würdiges und emotional absolut zufriedenstellendes Finale einer gigantischen Kinosaga gelungen ist. All die Arbeit, die in den letzten elf Jahren ins Marvel Cinematic Universe geflossen ist, findet hier ihren glorreichen Höhepunkt und lässt einem dabei sogar die Tiefpunkte des Franchise rückwirkend in einem positiveren Licht betrachten. Zwar befinden sich momentan noch einige Solo-Projekte Marvels (wie z.B. der kommende „Spider-Man: Far From Home“) in der Produktionsschmiede - das MCU in seiner bisherigen Form ist nun aber Geschichte.

Das MCU ist tot, es lebe das MCU!
 
 

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